Pink, Pur, Jamie, Cullum und Co.: Viele Topkonzerte in der Region

Rockig, poppig und etwas kölsch : Region feiert Konzerte mit Pink, Pur, Cullum und Co.

Sonne, Stars und gute Laune: Eschweiler Music Festival, Bühne unter Sternen in Nideggen und Konzerte am Dürener Badesee begeisterten Fans.

Musikfreunde hatten am Wochenende die große Auswahl: Bei bestem Wetter lockten Top-Stars auf die Open-Air-Bühnen der Region: In Köln begeisterte Pink 40.000 Menschen im Rhein-Energie-Stadion. Zum Eschweiler Music Festival (EMF) spielten Kool & The Gang, Kasalla und am Sonntagabend Pur. In Nideggen waren Andreas Bourani und Jamie Cullum zu Gast, in Düren Vincent Weiss.

Pink: Mit ausverkauften Stadion-Konzerten weltweit ist Pink da angelangt, wo sie vermutlich immer hinwollte: ganz oben. Die 39-jährige US-Sängerin hatte zwar schon immer ein Faible für Artistik in atemberaubender Höhe, aber ihre aktuelle Beautiful Trauma World Tour mit zwei ausverkauften Konzerten im Kölner Rhein-Energie-Stadion markiert zweifelsohne einen Höhepunkt ihrer bisherigen Karriere.

Bereits zu Beginn des Auftaktkonzerts mit „Get the Party started“ entert sie ein Konstrukt aus Kronleuchter und Trapez und lässt die 40.000 Fans fasziniert nach oben blicken. Die Klangqualität von „Beautiful Trauma“, „Just Like a Pill“ oder „Who Knew“ ist alles andere als optimal. Der sehr druckvolle Bühnensound verschmilzt mit dem Echo der Quertribüne zu einem verhallten Klangbrei.

Jamie Cullum – Höhepunkt auf der Burg Nideggen – zeigte seine ganze musikalische Bandbreite. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Bei ruhigeren Titeln wird der Klang deutlich differenzierter, und die Show wandelt sich von der ausgelassenen Party zu einer fantasievoll romantischen Performance im Stil des Cirque Du Soleil. Pink fliegt gleichsam schwerelos über den Fans und hat dabei sogar eine Botschaft, die sie in einen Dialog mit ihrer acht Jahre alten Tochter packt. Diese hatte sich beklagt, dass sie wie ein Junge mit langen Haaren aussehe und deshalb nicht schön sei. Pink, die in früheren Zeiten ein punkig, maskulines Image pflegte, nennt Beispiele androgyner Stars von Michael Jackson bis Janis Joplin und betont, dass persönliche Authentizität der Schlüssel zum Erfolg sei.

Eschweiler Music Festival: Das 29. Eschweiler Music Festival begann mit einem eingelösten Versprechen: Als Kool & The Gang vor Jahren einen Auftritt in Eschweiler platzen lassen mussten, hatte Robert „Kool“ Bell versprochen, das Gastspiel nachzuholen. Jetzt war es soweit: Auf dem Weg von Lissabon nach Paris machten die Soul- und Funklegenden einen Abstecher in Eschweilers Altstadt. Und boten einigen Tausend Fans auf dem Marktplatz ein grandioses Konzert. Genau 50 Jahre und zwei Tage vorher hatten Kool & The Gang ihr erstes Album herausgebracht. Ein Jubiläum, das sie nun mit ihren Fans in Eschweiler mitreißend feierten.

Wincent Weiss begeisterte die Zuschauer am Dürener Badesee. Foto: ZVA/Kim Statzner

Musik ganz anderer Art bestimmte den zweiten Abend des Festivals: Kölschrock war angesagt. Auf der Bühne: Kuhl un de Gäng (!) aus Köln, Bohei aus Eschweiler und die Stimmungsgiganten aus der Domstadt, Kasalla (Pirate, Stadt mit K, Mir sin eins). Vor Tausenden begeisterten Fans setzte die Band Pur am Sonntagabend einen beeindruckenden Schlusspunkt des Festivals.

Wincent Weiss: Die Stimmung war bestens am Samstagabend an Dürens Adria, wie die Einheimischen den Baggersee nennen: Tausende Menschen warteten auf den aufstrebenden Star des deutschen Pop, Wincent Weiss. Der 26-jährige Sänger und Songwriter ist regelmäßig in den Charts zu finden. Von Starallüren war bei seinem Auftritt am Badesee aber nichts zu spüren. Er zeigte sich authentisch: seine Texte persönlich, seine Stimme emotional, und dazu hatte er immer einen lustigen Spruch auf den Lippen. Dabei setzte Weiss auch auf einige rein akustische Versionen seiner Songs, wie zum Beispiel „Nur ein Herzschlag entfernt“. Daneben gab er Coverstücke zum Besten und vermischte dabei so verschiedene Künstler wie AnnenMayKantereit oder die Clown-Rap-Truppe 257ers.

Pink in Köln: Eine romantische Performance im Stil des „Cirque Du Soleil“. Foto: dpa/Henning Kaiser

Ulrich Tukur & The Ryhthmus Boys: Die Nachtigall sang, der Mond ging auf, es war angerichtet für einen kein bisschen verschlafenen Abend mit Ulrich Tukur & den Rhythmus Boys in der RWTH-Aula in Aachen. Das vorletzte Konzert des Kulturfestival X der Städteregion am Freitagabend war lang, lustig und voller Lügen. Und gerade deshalb so amüsant. Natürlich, im Vordergrund stand die Musik, vorwiegend der 1920er bis 1940er Jahre: Glenn Miller („In the Moon“), Cole Porter („Night and Day“), Irving Berlin („Puttin‘ on the Ritz“), Duke Ellington („Harlem Nocturn“), aber auch Ilse Werner („Mit der letzten Straßenbahn“) oder die in Deutschland ziemlich unbekannte Eva Busch („Nasse Lyrik“). Dazu servierten die Herren, Tukur am Klavier und Akkordeon, Ulrich Mayer an der Gitarre, Kalle Mews am Schlagzeug und Günter Märtens am Kontrabass, aber eine Show mit Mick-Jagger-Parodie, Bauchredner, Puppenballett, Lyrik von Eichendorff, Borchert und Co. sowie wahnwitzigen Geschichten zum Beispiel über die erste Mondlandung. Traumhaft verrückt!

Andreas Bourani und Jamie Cullum:Beim Festival „Bühne unter Sternen“ auf Burg Nideggen standen am Wochenende zwei Größen der Musikbranche auf der Bühne. Andreas Bourani begeisterte rund 2400 Menschen im ausverkauften Innenhof der Burg mit einem stimmungsvollen Open-Air-Konzert. Der gebürtige Augsburger mit ägyptischen Wurzeln und Wahl-Berliner hatte alle seine Hits im Gepäck. Sein Publikum erwies sich bei Songs wie „Nur in meinem Kopf“, „Wieder am Leben“ und natürlich „Auf uns“ sehr textsicher. Überhaupt gelang es dem 35-jährigen Sänger mit der samtigen Stimme schnell, einen Draht zu seinem Publikum aufzubauen. „So eine Kulisse wie auf dieser Burg hat man selten“, lobte Bourani das Ambiente.

Ulrick Tukur & The Rhythmus Boys sagen den Mond an in der Aula der RWTH Aachen. Foto: dmp Press/Ralf Roeger

Eindeutiger Höhepunkt der Musiktage, die am Sonntag mit einem Familienkonzert mit Volker Rosin zu Ende gingen, war das Konzert von Jamie Cullum am Freitag. Cullum erwies sich nicht nur als hervorragender Pianist und begnadeter Sänger, sondern auch als talentierter Entertainer. Schon beim dritten Song des Konzerts stand der nur 1,60 Meter große Mann auf seinem Flügel, später verließ er sogar die Bühne und ging auf Tuchfühlung mit seinen Fans. Beeindruckend die Bandbreite von Cullums Songs: von hauchzart bis rockig-aggressiv.