Souverän und wandlungsfähig: Nils Mönkemeyer beim Accordate-Konzert in Aachen

Souverän und wandlungsfähig : Nils Mönkemeyer beim Accordate-Konzert in Aachen

Nils Mönkemeyer gehört zur Champions League der Bratschisten. Jetzt war er zu Gast in Aachen. In die Begeisterung mischt sich ein Wermutstropfen.

Kammermusikabende für Solo-Bratsche nehmen immer noch einen Nischenplatz ein, auch wenn Zahl und Selbstbewusstsein erstklassiger Solisten auf dem Instrument seit Paul Hindemith mächtig gewachsen sind. Der 41-jährige Bremer Nils Mönkemeyer gehört seit langem zur Champions League der Bratschisten. Ändern können freilich auch Interpreten seiner Klasse nichts an dem Zustand, dass das Original-Repertoire für die Viola schmal geraten ist und sich ein ganzer Abend ohne mehr oder weniger geglückte Transkriptionen kaum füllen lässt.

Davon blieb auch Mönkemeyers Auftritt in der Accordate-Konzertreihe im voll besetzten Krönungssaal des Aachener Rathauses nicht verschont. Zwei, allerdings prachtvolle Originale wurden durch vier Transkriptionen ergänzt. Die Originale hatten es freilich in sich. Vor allem die Bratschensonate der kaum bekannten britischen Komponistin und Bratschistin Rebecca Clarke, mit der das Programm effektvoll schloss, sorgte für eine faustdicke Überraschung.

Ein Werk von 1919, das nicht nur das spezifische Klangkolorit des Instruments ideal auskostete, sondern in seiner kompositorischen und stilistischen Vielfalt und Meisterschaft wie ein Konvolut verschiedener Einflüsse der Zeit von Debussy bis Prokofieff anmutet, ohne epigonenhaft zu wirken. Trotz des dem Instrument eigenen dunklen und warmen Timbres strotzt die Sonate vor Energie und Sensibilität.

Diesen kompositorischen Rang erreichte nur noch die berühmte Sonate in A-Dur von César Franck, der man allerdings anmerkte, dass sie für Violine konzipiert ist und auf der Bratsche erheblich matter klingt. Daran kann auch der wandlungsfähige Ton Mönkemeyers nicht viel ändern. Besser war es um die zweite Originalkomposition bestellt, Benjamin Brittens „Lachrymae“ von 1950. Ein für den Solisten dankbarer Variationszyklus über ein Lied des englischen Renaissance-Meisters John Dowland, der mit seinem lyrischen Tonfall dem zurückhaltenden Charakter der Viola glücklich entgegenkommt. Eine Bearbeitung des duftig schwebenden Lieds „Beau Soir“ von Claude Debussy stimmte als Auftakt gefällig  ein.

An der spieltechnischen Souveränität Mönkemeyers gibt es nichts auszusetzen, auch wenn sich damit das Gefälle zwischen Originalwerken und Bearbeitungen nicht ausgleichen lässt. Das betrifft auch Mönkemeyers Partner am Flügel, den jungen Koreaner William Youn. Mit zwei Solostücken von Franz Liszt, Transkriptionen eines Lieds und eines Walzers von Franz Schubert, empfahl er sich als ein untadeliger Pianist, dessen persönliches Profil freilich noch ausbaufähig ist. Und auch im Zusammenspiel mit Mönkemeyer wollte sich nicht immer die künstlerische Identität einstellen, die zwei Wochen zuvor der Geiger Frank Peter Zimmermann und dessen Partner Martin Helmchen erreichten.

Dennoch konnte sich das Publikum erneut über ein Konzert freuen, das den hohen Ansprüchen der Accordate-Reihe entsprach, Entsprechend begeistert fielen die Reaktionen aus.

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