Meisterkonzerte: Mahlers 2. Sinfonie in Aachen vorzüglich präsentiert

Konzert im Aachener Eurogress : Werk der Superlative vorzüglich präsentiert

Die Philharmonie Zuidnederland startet die Saison der Aachener Meisterkonzerte mit Mahlers 2. Sinfonie. Schade, dass im Eurogress einige Plätze leer bleiben.

Es wurde sehr eng auf dem Podium, als sich die Philharmonie Zuidnederland mit Unterstützung zweier Chöre zum Auftakt der Aachener Meisterkonzert-Saison im Eurogress vorstellte. Nichts Geringeres als Gustav Mahlers gewaltige „Auferstehungssinfonie“ stand auf dem Programm. Mit einem quantitativ derart stark besetzten Abend kam Stefan Rosu, Organisator der Meisterkonzerte und Intendant des Orchesters, den Wünschen des Publikums nach großen Orchesterkonzerten entgegen. Er bietet den Aachenern in dieser Saison gleich sechs Abende dieses Formats an.

Die Aufstockung ist nicht zuletzt den gestiegenen Besucherzahlen zu verdanken. Dass nun bei einem so attraktiven Werk wie Mahlers 2. Sinfonie etliche Stuhlreihen leer blieben, ist nicht so recht nachzuvollziehen.

Gleichwohl: Die Besucher konnten sich an einer effektvollen und sorgfältig erarbeiteten Interpretation des knapp anderthalbstündigen Werks erfreuen. Dem souveränen Umgang des Orchesters mit den Tücken und Schwierigkeiten der Partitur konnte man die lange und intensive Rezeption anhören, die Mahler seit jeher in den Niederlanden genießt. Angesichts des starken körperlichen Einsatzes, mit dem Chefdirigent Dmitri Liss die Musiker-Armada steuerte, verwunderte es nicht, dass er die dynamischen Steigerungen zu Höhepunkten führte, die die Eurogress-Akustik auf eine harte Probe stellten. Dennoch gelang es ihm, auch in extremen Bereichen unangenehme Übersteuerungen zu vermeiden. Und Zeit für kammermusikalische Delikatessen und exquisite Soli ließ der Dirigent seinen Musikern auch reichlich.

Liss bevorzugte zügige Tempi, drosselte bisweilen jedoch die Gangart bis an die Grenze des Stillstands, so dass, auch aufgrund sehr lang gehaltener Generalpausen, der formale Zusammenhalt der mächtigen Sätze wiederholt in Gefahr geriet. Gefahren, die Liss recht geschickt auffing, so dass die Geschlossenheit gewahrt blieb, ohne die Kanten und Brüche des Werks zu überspielen.

Präsentierte sich das Orchester in vorzüglicher Form, so konnten auch die Sänger des Brabant Koors und des Studium Chorale dem kleinen, aber wirkungsvollen Chorpart die nötigen dynamischen Akzente vom hauchzarten Pianissimo bis zum kontrolliert druckvollen Aufschwung verleihen. Unterstützt durch die ebenbürtigen Solistinnen Sarah Wegener, Sopran, und die Altistin Helena Rasker, die im „Urlicht“ nicht zuletzt durch ihre vorbildliche Textverständlichkeit gefiel.

Das Publikum reagierte mit lang anhaltendem und begeistertem Beifall auf eine beeindruckende Interpretation eines Werks der Superlative. Den beiden Konzerten mit der Philharmonie Zuidnederland im Dezember und April darf man mit Zuversicht entgegensehen.

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