Neue Musik: „Mea Culpa“ von Bilderbuch: eher Skizze als Konzeptalbum

Neue Musik: „Mea Culpa“ von Bilderbuch: eher Skizze als Konzeptalbum

Nach dem fünften Album erscheint im Februar bereits Nummer sechs des Wiener Quartetts. „Mea Culpa“ präsentiert gute Ideen, aber auch nicht mehr.

Es gibt Alben, die sich erst aus größerem zeitlichen Abstand richtig beurteilen lassen. „Evil Empire“ von Rage Against The Machine beispielsweise erntete als Nachfolger des Debüt-Meisterwerks zunächst nicht viel mehr als Verachtung, erfreut sich aber heute bei zahlreichen RATM-Fans großer Beliebtheit, auch, weil das Oeuvre der Band sehr überschaubar blieb.

Die Qualität des jetzt erschienenen „Mea Culpa“ von Bilderbuch wird man vielleicht auch erst später so richtig beurteilen können. Im Februar etwa, wenn der Nachfolger „Vernissage My Heart“ erscheint. Das Wiener Quartett veröffentlicht Studioalbum Nummer fünf und Nummer sechs nämlich innerhalb von nur drei Monaten, wobei der Vorgänger „Magic Life“ aus dem Jahr 2017 auch noch nicht wirklich abgehangen ist.

An Ideen mangelt es den Männern um Sänger Maurice Ernst also definitiv nicht. Das merkt man auch auf „Mea Culpa“, das wieder überbordend ist, mitunter aber allzu sehr im Skizzenhaften verhaftet bleibt. Da hätte man sich und der Band noch den einen oder anderen Studiotag gewünscht, um aus den Songrohdiamanten Brillanten zu formen. Nehmen wir aber mal an, dass dieses Beiläufige und bewusst Unperfekte Teil eines größeren Plans der Band ist, der sich erst im Februar offenbart.

Außerdem sind bei Bilderbuch selbst Skizzen immer noch sehr hörenswert. In Sachen Coolnes und Relaxtheit kann es im deutschsprachigen Pop sowieso keiner mit den vier Österreichern aufnehmen. Maurice Ernst sprechsingt sich in bester Falco-Manier durch luxuriöse Soundlandschaften, die sich mal nach dem frühen Prince (sensationell: „Memory Card“), mal nach Frank Ocean anhören („Mein Herz bricht“).

Trotz dieser Höhepunkte hört sich „Mea Culpa“ aber eher nach Zwischenalbum an. Vielleicht eine Art Sprungbrett für den nächsten großen Wurf dieser beneidenswert Begnadeten. Vielleicht ja dann im Februar.

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