Chorbiennale: Majestätische Instrumentalklänge

Chorbiennale : Majestätische Instrumentalklänge

Zu den Höhepunkten der Chorbiennalen gehört schon traditionsgemäß der gemeinsame Auftritt von meist acht Chören aus der Region und dem Ausland zusammen mit dem Aachener Sinfonieorchester, wobei in der Regel ein großes anspruchsvolles Chorwerk in Angriff genommen wird.

Auch wenn es sich um hervorragend geschulte Chöre handelt, birgt ein solches Unternehmen angesichts der knappen Probenzeiten Risiken, die in der Vergangenheit nicht immer zu optimalen Ergebnissen geführt haben.

Dass es Generalmusikdirektor Christopher Ward unter diesen Umständen gelungen ist, fünf Aachener sowie drei weitere Chöre aus Russland, Lettland und Finnland zu einem erstaunlich homogenen, klangschön und präzis reagierenden Ensemble zusammenzuschweißen, verdient Respekt. Die Aufführung der gewaltigen „Sea Symphony“ von Ralph Vaughan Williams sorgte damit nicht nur für einen besonders effektvollen, sondern auch qualitativ hochwertigen Abschluss des achten und damit letzten Sinfoniekonzerts der Saison im voll besetzten Eurogress.

Pathetisch und ergreifend

Auch wenn Ralph Vaughan Williams auf den deutschen Konzertpodien relativ selten zu hören ist, schlägt das Herz jedes englischen Musikers für die prächtigen Klanggemälde des Spätromantikers auf Hochtouren. Und Vaughan Williams’ Musik wirkt am stärksten, wenn sie sich so plastisch, schillernd und rauschhaft präsentiert wie ein Soundtrack zu eindrucksvollen Naturszenarien. Das betrifft in besonderem Maß auf dessen „Sea Symphony“ zu, eine Chor-Sinfonie auf Texte von Walt Whitman, die die Größe und die Mysterien des Meeres metaphernreich, ein wenig pathetisch, aber ebenso ergreifend beschwören wie Vaughan Williams’ mit seiner Musik.

Das groß besetzte Aachener Sinfonieorchester ließ den sinfonischen Bilderbogen leuchtkräftig, voluminös und dennoch verzerrungsfrei erklingen, Und zwar so kräftig, dass selbst die singenden Heerscharen anfänglich Probleme hatten, sich gegen die majestätischen Instrumentalklänge durchzusetzen. Auch in der Behandlung des Chores betont Vaughan Williams Größe, Farbigkeit und hymnischen Schwung, den die Chorgemeinschaft souverän umsetzen konnte. Auch die wenigen diffizileren Partien gelangen makellos, so dass zusammen mit den nicht minder überzeugenden Gesangssolisten Irina Popova (Sopran) und Ronan Collett (Bariton) die Qualitäten des Werks vollauf zur Geltung kamen.

Edward Elgar steht bei den Engländern mindestens so hoch im Kurs wie Vaughan Williams. Mit gleicher Begeisterung stürzte sich Christopher Ward auf eins der bekanntesten Werke Elgars, das Cello-Konzert in e-Moll, das die junge belgische Cellistin Camille Thomas mit berückend schönem Ton und feiner emotionaler Dosierung zum Leuchten brachte. Weniger leidenschaftlich als etwa die unvergessene Jacqueline du Pré nähert sich Camille Thomas dem Werk mit französisch gefärbter Eleganz. Klanglich entwaffnend schön, von Ward und dem Orchester ebenbürtig begleitet.

Uneingeschränkte Begeisterung für beide Interpretationen, Blumen für Dirigent, Solisten und die acht Chorleiter. Mit dabei waren der Aachener Kammerchor, Carmina Mundi, der Junge Chor Aachen, der Kammerchor des Aachener Bachvereins, der Madrigalchor Aachen, der Festino Kammerchor aus St. Petersburg, der Jugendchor Jauniešu koris Kamer aus dem lettischen Riga und Mieskuoro Euga aus Finnland.

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