Köln: Hollwood-Star Sutherland begeistert als Rockmusiker im Carlswerk

Konzert in Köln : Kiefer Sutherland lässt es mächtig krachen

Als Leinwand-Held ist er ein unumstrittener Weltstar, dass er als Musiker weitaus mehr ist als ein musizierender Schauspieler, hat Kiefer Sutherland nicht zuletzt auf seinen beiden jüngsten Alben bewiesen. Jetzt begeisterte der 52-jährige Kanadier beim Konzert im Kölner Carlswerk Victoria.

Sutherland steht für Country im besten amerikanischen Sinne. Er transportiert keinen Truckermythos, er transportiert pures Lebensgefühl von Liebe, Leid und jeder Menge Alkohol. Er tourt seit vielen Monaten unablässig durch die Welt, hat mit „Down In A Hole“ und „Reckless & Me“ zwei brillante Alben vorgelegt und schart eine immer größere Fan-Gemeinde um sich. So war das Carlswerk Victoria auch nahezu ausverkauft, gut 1500 Menschen freuten sich auf den „bad boy“ von Leinwand und Bühne.

Nun will es die Dramaturgie auch dieser kleineren Konzerte, dass sich das eher im Mittelalter des Lebens angesiedelte Publikum schon in Geduld üben muss. Denn jeder Star hat einen support act verdient – ob man es will oder nicht. Winnie Lee Moore hat sich Sutherland auserkoren, ihn über die Bühnen der Welt zu begleiten. Eine Singer-Songwriterin mit einer bemerkenswert dünnen Stimme, die natürlich viel von „Näschwill Tännässieh“, der Heimat der Country-Mucker, erzählt. Es lebe das Klischee! Das macht sie wohl, damit man einordnen kann, was man gerade nicht hören will. Dass einem Menschen im Publikum zwischen zwei Liedchen ein deutlich hörbares „grauenvoll“ entfleuchte, mag man als doch ziemlich unhöflich geißeln. Zur Chronistenpflicht gehört aber auch: Es hat ihm niemand widersprochen...

Umso dankbarer war man dann, dass Kiefer Sutherland Punkt 21 Uhr mit einem krachenden „Rebel Wind“ alles Piepsige aus dem Carlswerk fegte und so die Richtung vorgab, wohin es an diesem Abend gehen sollte: Ein Rockkonzert im besten Sinne. Denn Sutherland kann wesentlich mehr als Country. Er ist zu einem veritablen Allrounder gereift, der zwar die leisen Töne nicht vergisst, der aber auch deutlich auf Brachial-Sound im besten Rock-Sinne setzt. Dabei unterstützt ihn eine exzellente fünfköpfige Band, die einen perfekten Teppich bereitet, auf dem sich ihr Boss frei bewegen kann.

Kiefer Sutherland ist ein musikalischer Erzähler, und ein perfekter Entertainer. Er spricht viel mit dem Publikum. Mit hintergründigem Humor, mit Selbstironie. Zum Beispiel, wenn er erzählt, was hinter seinem Song „Going Home“ steckt: Er war beim Anblick einer langbeinigen, für ihn unerreichbaren Schönheit schlicht und ergreifend betrunken vom Barhocker gefallen. Apropos betrunken. Wie viele Lieder er über Hochprozentiges geschrieben hat, weiß er nach eigener Aussage selber nicht, aber – Achtung noch einmal Klischee! – Whisky darf auch auf der Bühne nicht fehlen. Und Deutsch spricht Sutherland auch. Das „Prost“ kommt ihm fehlerfrei über die Lippen. Die Fans lieben es!

Aber Sutherland ist nicht platt und klischeehaft. Er ist zutiefst emotional. Zum Beispiel im wunderschönen „Saskatchewan“, das er seiner Mutter gewidmet hat. Oder dem von Bridget Jones (kein Klischee!) inspirierten Liebeslied „I’ll Do Anything“. Das hat Tiefe, Authentizität. Eine Zeile des Songs lautet: „I love you just the way you are“ – und so lieben die Fans den Musiker Kiefer Sutherland auch.

Das dritte Album ist in Vorbereitung, auch darauf gab es einen Vorgeschmack in Köln. Das Rezept wird passen. Auf den Geschmack ist man längst gekommen!