Katia und Marielle Labèque beim Aachener Meisterkonzert

Aachener Meisterkonzert : Zum Saisonfinale untrügliche Sicherheit im Zusammenspiel

Die Klavier-Stars Katia und Marielle Labèque präsentieren sich äußerst routiniert. Die Philharmonie Zuidnederland unter Leitung von Karel Deseure offenbart Probleme mit der heiklen Akustik im Eurogress.

Die Saisonbilanz nach dem letzten Konzert der wiederbelebten Reihe der Meisterkonzerte müsste eigentlich positiv ausfallen. Der Publikumszuspruch hat sich stabilisiert, selbst an diesem heißen Abend hielten sich die leeren Stühle im Aachener Eurogress in Grenzen. An der künstlerischen Qualität der Serie gab es ohnehin wenig auszusetzen.

Zum Saisonfinale spielte das „Hausorchester“ der Reihe, die Philharmonie Zuidnederland, unter der Leitung des jungen belgischen Dirigenten Karel Deseure. Nicht viel mehr als einen Appetithappen bildete die charmant servierte hübsche 1. Orchestersuite von Igor Strawinsky. Für Mozarts Konzert für zwei Klaviere Es-Dur hatte man die französischen Schwestern Katia und Marielle Labèque aufgeboten, die seit Jahrzehnten quasi das Synonym für die Gattung Klavierduo sind. Die beiden spielten die Klavierparts mit jener untrüglichen Sicherheit im Zusammenspiel, bei der auch nicht die geringste Ungenauigkeit festzustellen war. In äußerst routinierter Weise warfen sich die beiden die thematischen und motivischen Bälle zu, das Passagenspiel rollte perfekt zusammen, melodische Linien wurden gemeinsam mit kleinen agogischen Freiheiten ausgesponnen. Spritzigkeit und Vitalität der Artikulation scheinen den  Damen nicht mehr ein unbedingt anzustrebendes Anliegen zu sein.

Das Zusammenspiel mit dem Orchester geriet nahtlos, wobei der Orchesterklang nicht zuletzt wegen der sehr groß besetzten Bassgruppe ein wenig schwerfällig wirkte. Als Zugabe spielten die beiden in elektrisierender Weise ein Stück Minimal Music à la Philip Glass.

Beethovens 5. Sinfonie gehört wohl zu den bekanntesten Werken der gesamten sinfonischen Literatur. Leseure näherte sich dem allzu populären Werk in höchst temperamentvoller Weise, nahm die vom Komponisten äußerst ambitioniert vorgegebenen Metronomangaben ernst, was das Orchester im ersten Satz bei dem rasenden Tempo bisweilen in arges Schlingern im Zusammenspiel brachte. Ein organisch fließendes Tempo bestimmte auch das Andante, während Scherzo und Finale einen mitreißenden Drive hatten. Leseure ist mit der heiklen Akustik des Saales nicht vertraut. Das mag ein Grund dafür gewesen sein, dass es ihm nicht gelang, einen durchstrukturierten Orchesterklang zu erzielen. Nicht zuletzt die permanent zu laute Pauke sorgte für einen diffusen, manchmal geradezu wild klingenden Gesamtklang. Das Publikum aber war äußerst angetan vom Saisonfinale.

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