Konzert auf Burg Wilhelmstein: Joe Jackson beweist, dass seine Songs gut gealtert sind

Konzert auf Burg Wilhelmstein : Joe Jackson beweist, dass seine Songs gut gealtert sind

Natürlich steckt viel Nostalgie mit drin. So muss das auch sein, schließlich gehören seine Songs für die meisten im Publikum zum Soundtrack ihrer Jugend. Ist jetzt auch schon stramme 40 Jahre her, dass Joe Jackson die ersten davon geschrieben hat.

Aber schön zu hören, wie gut sie gealtert sind. Es ist eine ziemlich frisch klingende Zeitreise, die der 64-jährige Brite bei seiner „Four Decades Tour“ auf der ausverkauften Freilichtbühne der Burg Wilhelmstein In Würselen unternimmt.

Das Publikum ist textsicher

Ein gutes Quäntchen Punk und große Mitsing-Refrains – das sind die Zutaten vieler seiner frühen Hits. „Is She Really Going Out With Him“ zum Beispiel mit seiner nach wie vor herrlich schrammelig daherkommenden Gitarre. Diesen Song packt Jackson weit an den Anfang seines Programms und darf dabei gleich mal erleben, dass der Großteil der Zuhörer sich als textsicher erweist und mit einstimmt. Kräftiger Applaus krönt diesen Song. Und nicht nur den, denn neben den zahlreichen Stücken seines aktuellen Albums „Fool“ sind es immer wieder die älteren Songs, die besonders gefeiert werden. „Different For Girls“ etwa, das Jackson solo am Keyboard darbietet, oder „I’m The Man“, das mit voller Wucht von der Bühne bricht und bei dem Gitarrist Teddy Kumpel, Schlagzeuger Doug Yowell und Bassist Graham Maby einmal mehr ordentlich hinlangen dürfen.

Seinen drei Mitmusikern lässt Jackson überhaupt viel Raum, so manchen der alten Songs hat er für neue solistische Einlagen geöffnet. So verzichtet er bei „Real Men“ auf den hymnischen Gesang im Chorus und überlässt der Gitarre diesen prägnanten Melodiebogen. Es ist nur einer von vielen Momenten, die die vertrauten Nummern neu beleben. Jacksons Haar mag längst schneeweiß sein, aber der dunkelblaue Anzug hat noch den gleichen zackigen Schnitt wie früher. Auch die Energie ist noch voll da, selbst wenn der Sänger seinen Platz hinter dem Keyboard während des gesamten, gut zweistündigen Auftritts nicht verlässt. Seine Spielfreude packt er komplett in die Musik; und die vielen leeren Instrumentenkoffer stapeln sich im Bühnenhintergrund zu einer beachtlichen Mauer. Sie sprechen eine eigene Sprache: Hier ist einer, der immer noch mit Herzblut unterwegs ist!

Seinen größten Hit „Steppin’ Out“ serviert Joe Jackson als Zugabe. Verändert er andere Songs gerne mal, „spielen wir diesen heute so originalgetreu wie möglich“, wie er sagt. Die Drum-Machine, die er 1982 bei der Aufnahme benutzte, holt er dazu auf die Bühne, auch ein Glockenspiel wird feierlich ausgepackt. Und dann klingt der Song tatsächlich so, wie man ihn schon so oft gehört hat. Und immer wieder gerne hören möchte. 40 Jahre? Sind ein Klacks!

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