Jazz: Star-Trompeter Till Brönner trtitt beim Monschau-Festival auf

Interview mit Till Brönner über Musik, Fotografie und Natur : Mehr als nur eine „One-Man-Show“

Wenn Star-Trompeter Till Brönner Musik macht, fühlt er sich frei. Jazz bedeutet für ihn „eine Freiheit, die ich von keiner anderen Musikstilrichtung kenne“. Im August tritt er beim Monschau-Festival auf.

Till Brönner ist einer der erfolgreichsten deutschen Jazz-Musiker. Mit dem Kontrabassisten Dieter Ilg und ihrem Duo-Album „Nightfall“ begeistert der Star-Trompeter regelmäßig das Publikum. Im August kommen die beiden Musiker nach Monschau und spielen beim Monschau-Festival auf der historischen Burg. Im Interview mit Anke Capellmann spricht er unter anderem über seine Verbindung zur Eifel und seine Fotografie.

Herr Brönner, Sie leben in Berlin und haben ihren zweiten Wohnsitz in Los Angeles. Was ist es für ein Gefühl, ein Konzert in der historischen Monschauer Altstadt mit ihren alten Fachwerkhäusern und kleinen Gassen zu spielen?

Till Brönner: Ein gutes Gefühl! Ich kenne die Gegend gut aus der Zeit meiner Kindheit und verbinde mit ihr sehr viel Menschliches. Es gibt keinen Ort, an dem Musik nichts verloren hat.

Sie waren als Kind also oft in ­Monschau?

Brönner: Meine Großmutter hatte ein Haus in dieser Gegend, wir Kinder waren oft zum Spielen hier, und ich erinnere mich an ausgedehnte Sommer inmitten von Natur und Landwirtschaft.

Was erwarten Sie heute von dem Eifel-Städtchen?

Brönner: Wir versuchen, immer alles zu geben, bei jedem Konzert. Musik ist Emotion, nicht jede Mentalität in Deutschland ist gleich schnell offen dafür, aber mit ein wenig Geduld ist es uns eigentlich überall gelungen, Energie zu verbreiten. Ich freue mich auf Monschau!

Sie werden mit Dieter Ilg Ihr gemeinsames Album „Nightfall“ präsentieren. Was erwartet das Publikum?

Brönner: Eine Besetzung mit Trompete und Kontrabass ist die kleinstmögliche. Das heißt jedoch nicht, dass andere Instrumente vermisst werden – im Gegenteil. Gerade das ist es, was uns beiden solche Freude bereitet – dem Publikum das Gefühl zu geben, nichts vermissen zu müssen. Als Künstler vermisst man nämlich noch schneller die Mitstreiter. Ich bin sicher, dass es ein besonderer Abend wird.

Es ist Ihr erstes gemeinsames Album. Wie kam es dazu?

Brönner: Dieter Ilg und mich im Duo gibt es schon seit annähernd zehn Jahren. Doch wir konnten uns bis dato nicht zu einer gemeinsamen CD durchringen. Es war das Publikum, das uns über Jahre dazu ermuntert hat. Und wie nicht selten hatte es recht.

Wie empfinden Sie das gemeinsame Spiel mit Dieter Ilg? Warum ergänzen Sie sich so gut?

Brönner: Ich sage immer: Das Haus braucht ein Dach und einen Keller, dann darf man es bereits Haus nennen. Dieter Ilg ist einer der virtuosesten Kontrabassisten der Welt und in ihm spiegelt sich akustisch und optisch ein gesamtes Orchester. Für mich ist das Luxus und Herausforderung gleichzeitig.

Ruhig und gelassen oder mit voller Kraft – wer übernimmt welchen Part?

Brönner: Von der Trompete erwartet man oft Virtuosität. Ein Kontrabass überrascht damit oft deutlich stärker. Erst recht, wenn er von Dieter Ilg gespielt wird. Ich muss mich wirklich regelmäßig anstrengen, da mitzuhalten.

Entstanden ist „Nightfall“ auf dem Schloss Elmau in den bayerischen Alpen. Wie hat die Umgebung das Album beeinflusst?

Brönner: Sehr stark. Es war eine perfekte Atmosphäre zwischen Konzentration und Entspannung – so wie es eigentlich auch in der Musik sein sollte. Der Rückzug an einen Ort wie diesen ist etwas, das ich jedem Künstler wärmstens empfehlen kann. Es ist wichtig, sich heute vom Alltag abzuschotten um nicht Alltägliches zu produzieren.

Nicht alltäglich ist auch das Stück „Ach, bleib mit deiner Gnade“. Es versprüht einen Hauch von Spiritualität. Was bedeutet das für Sie?

Brönner: Dieter Ilg und mich verbinden ähnliche Kindheiten. Wir sind beide Messdiener gewesen, und der kirchliche Background bietet unabhängig von unseren heutigen Standpunkten zum Thema Kirche viel Biografisches und auch Schönes. Die Spiritualität und Wirkung von Musik war der Kirche schon immer bewusst. Am Ende eines Konzerts dieses Stück zu spielen, ist auch für uns beide etwas sehr Besonderes.

Sie verarbeiten in Ihren Stücken also viel von Ihrer Persönlichkeit?

Brönner: Immer. Das geht gar nicht anders.

Sie sagen, bei Ihnen kommt jede Menge Jazzgeschichte zusammen, aber auch einiges an Zukunft – was bedeutet das?

Brönner: Jazz in einer Zeit wie heute zu spielen bedeutet, sich immer mit Gegenwart und Zukunft auseinanderzusetzen. Politisch war und ist Jazz immer eine Spiegelung aktueller Ereignisse. Mir wäre nicht wohl dabei, diese Musik als etwas rein Nostalgisches zu feiern.

Jazz als individuelle Freiheit – wie spiegelt sich das bei „Nightfall“ wider?

Brönner: Jedes unserer Konzerte klingt anders. Wir verhandeln geradezu während des Spielens die gegenwärtige Version eines Stücks, das morgen in einer anderen Stadt wieder völlig neu klingen kann. Ich spreche von einer Freiheit, die ich von keiner anderen Musikstilrichtung her kenne.

Sie sind auch Fotograf. Warum tauschen Sie ab und zu die Trompete gegen die Kamera?

Brönner: Weil es mir möglich ist, denke ich.  Ich begreife Fotografie als eine wunderbare Ergänzung zu meiner akustischen Lebensäußerung. Es ist denkbar, dass diese beiden Stränge irgendwann künstlerisch zusammen erlebbar sind. Aktuell trenne ich beides jedoch ziemlich strikt. Die Fotografie gibt mir die Möglichkeit, nicht performen zu müssen und trotzdem kreativ zu sein.

Wie kam es dazu?

Brönner: Ich schrieb die Musik zu einem Dokumentarfilm über den Jazz-Fotografen William Claxton. Dabei wurde mir irgendwann klar, dass der Jazz von seiner Fotografie nicht zu trennen ist – sogar einen erheblichen Anteil an seinem Erfolg hat.

Fotograf, Trompeter, Sänger, Komponist, Professor – wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Brönner: Man stellt sich das manchmal alles wie eine große One-Man-Show vor. Aber so ist es natürlich nicht. Alles hat seine Zeit und fordert diese auch. Meine Lehrtätigkeit ruht gerade, ist aber auf absehbare Zeit wieder geplant.

Sie waren im vergangenen Jahr auch im Ruhrgebiet unterwegs und haben fotografiert. Was möchten Sie mit den Bildern ausdrücken?

Brönner: Ich wurde von der Essener Brost-Stiftung gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, dieses Langzeitprojekt anzunehmen. Nach anfänglichem Zögern erschloss sich mir eine der interessantesten und wichtigsten Gegenden unseres Landes. Eine Mentalität, die von Zusammenhalt, harter Arbeit und einer guten Portion Ehrlichkeit und Humor geprägt ist. Das Resultat ist in der Ausstellung „Melting Pott“ noch bis zum 6. Oktober im Museum Küppersmühle für moderne Kunst in Duisburg zu sehen.

Es ist nicht zu leugnen, dass Monschau und die gesamte Eifel viel Raum für tolle und charakterstarke Aufnahmen bieten. Wäre das eine Idee für zukünftige Projekte?

Brönner: Das könnte ich mir gut vorstellen. Noch dazu aufgrund meiner biografischen Verbindung zur Gegend.