Kammermusikfestival „Spannungen“: Glückliche Mischung zum Auftakt

Kammermusikfestival „Spannungen“ : Glückliche Mischung zum Auftakt

„Von fremden Ländern und Menschen“: Unter diesem Motto ist das Kammermusikfestival „Spannungen“ im Jugendstilkraftwerk Heimbach am Wochenende bei tropischen Temperaturen mit einem dicht gedrängten Programm gestartet.

Dem offiziellen Eröffnungskonzert gingen bereits ein Sponsorenkonzert, ein Abend mit Werken für Solo-Instrumente und eine Matinee mit einem Solo-Auftritt von Lars Vogt voraus, dem Gründer und seit mittlerweile 22 Jahren künstlerischen Leiter des beliebten Festivals.

Schumanns „Kinderszenen“

Das Festival-Motto bezieht sich auf das Eingangsstück von Robert Schumanns „Kinderszenen“. Die tauchten mehrmals an dem Wochenende auf und Lars Vogt weiß, wie alle großen Pianisten, auch den künstlerischen Wert dieser schlichten Stücke angemessen einzuschätzen. Die Treffsicherheit, mit der Schumann hier mit einfachen Mitteln Gefühle und Situationen einzufangen vermag, erhebt die Miniaturen in den Olymp romantischer Charakterstücke.

Beim Eröffnungsabend überließ Vogt danach den Flügel seinen Kolleginnen und Kollegen. Darunter Danae Dörken, die zusammen mit der Cellistin Quirine Viersen Bohuslav Martinůs kraftvolle „Variationen über ein slowakisches Thema für Violoncello und Klavier“ impulsiv und rhythmisch prägnant erklingen ließ. Deren Schwester Kiveli Dörken unterstützte dann vier Bläserinnen und den Fagottisten Dag Jensen beim wenig bekannten Sextett für fünf Bläser und Klavier des holländischen, 1943 von den Nazis ermordeten Komponisten Leo Smit, einem vitalen Divertimento im neoklassizistischen Fahrwasser Poulencs und seiner französischen Kollegen.

Skurril ging es weiter mit Dave Marics „Run Chime“ für Streichquartett und Schlagzeug, einem kurzen, originellen Sprint in minimalistische, jedoch durch etliche Störfeuer immer wieder aus dem Gleichgewicht gebrachte Gefilde.

Seinen monumentalen Abschluss fand das Konzert in dem Klavierquintett E-Dur op. 30 des Tschaikowsky-Schülers Sergei Taneyev, das die Einflüsse seines Mentors und die von Johannes Brahms zwar nicht verleugnen kann, aber eine erstaunlich eigenwillige und persönliche Handschrift erkennen lässt. Ein teilweise überbordend temperamentvolles Werk, das nicht nur der Primgeigerin Antje Weithaas den Schweiß auf die Stirn trieb.

Ein Auftakt mit einer glücklichen Mischung aus Bekanntem und Unbekanntem in bunt gemischten Besetzungen. Bis zum Sonntag stehen viele weitere Überraschungen an. Heute Abend um 20 Uhr mit Werken von Beethoven, Rheinberger, Alban Berg und Franz Schuberts Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“. Mit dabei sind u.a. Isabelle Faust, Sharon Kam, Antje Weithaas und Tanja Tetzlaff.

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