Herbert Grönemeyer in Köln: Ernste Töne, zwingende Hits und etwas Selbstironie

Herbert Grönemeyer in Köln: Ernste Töne, zwingende Hits und etwas Selbstironie

In der Kölnarena erfahren 16.000 Fans von Herbert Grönemeyer, dass „Bochum“ eigentlich aus Köln kommt. Das Konzert war zweimal ausverkauft.

Es geht nicht nur darum, Stellung zu beziehen: „Gegen Ausgrenzung und Populismus“. Sondern auch darum, das eigene Handeln zu überprüfen: „Wie weit rutsche ich selber nach rechts? Wie weit verrohe ich, wie weit verroht meine Sprache?“ Derjenige, der das das sagt, heißt Herbert Grönemeyer. Und er sagt es Mittwochabend vor 16.000 Menschen in der Kölnarena. Um es Donnerstagabend vor genauso vielen Fans noch einmal zu wiederholen. Ein besseres Forum als ein zweimal ausverkauftes Konzert dieser Größenordnung kann sich der 62-Jährige nicht wünschen.

Der möglichen Verrohung setzt er neue Stücke wie „Fall der Fälle“ („Kein Millimeter, kein Millimeter nach Rechts“) oder „Doppelherz“ entgegen. Im Duett mit dem Berliner Rapper BRKN plädiert er dafür, zwei Herzen und zwei Welten miteinander in Einklang zu bringen. Wobei das auf dem Laufsteg im Innenraum der Arena aber paradoxerweise so wirkt, als würde jeder von beiden sein eigenes Ding machen. Bis auf die hastige Schlussumarmung.

In fast drei Stunden werden aber nicht nur ernste Töne angeschlagen. Dafür ist Grönemeyer viel zu sehr Grönemeyer. Selbstironisch gibt er zu Protokoll, was eine Umfrage zu seinen Konzerten zutage gefördert hat: „Drei Prozent kommen wegen der Lieder, fünf Prozent wegen der Texte, 17 Prozent wegen meines tänzerischen Potentials und 33 Prozent wegen meiner unfassbaren Optik.“

Zum Intro „Sekundenglück“ tritt er erstmal mit Brille an, dazu trägt er, wie immer, ein komplett schwarzes Outfit zu weißen Turnschuhen. Weniger Haare und weniger Hals, mehr Bauch – aber das ist etwas, was man von der Mehrzahl seiner männlichen Fans auch sagen kann. Über Jahrzehnte hinweg ist man gemeinsam gealtert.

Herz und Hirn hingegen sind noch „Taufrisch“. Davon kann man sich 20 Stücke und elf Zugaben lang überzeugen. Dazu gehören viele Songs vom Tourtitel gebenden neuen Album „Tumult“ (wie „Taufrisch“, Sekundenglück“, „Doppelherz“ oder „Fall der Fälle“). Muss halt so.

Aber mit „Bochum“ und „Männer“ tauchen gleich an sechster und siebter Stelle die ersten unverzichtbaren Hits auf. Nebst Erläuterung: „Bochum kommt aus Köln!“ Zehn Jahre hat Grönemeyer da gewohnt, währenddessen entstanden auch Alben wie „Sprünge“, „Ö“ und „Luxus“, 1989 wurde seine Tochter Marie in der Domstadt geboren: „Marie – wie dat Funkemariechen. Ich bin ´ne rheinisch-westfälische Mischung.“ An deren tänzerischem Potential einmal mehr kein Zweifel herrscht. Trippelnd, hüpfend oder im Stechschritt saust der Mensch, der immer Mensch bleiben wird, quer über die Bühne. „Alkohol“ („Etwas zur Beruhigung!“) darf natürlich nicht fehlen, bei der ersten Zugabe „Der Weg“ kullern einmal mehr im Publikum die Tränchen, und dafür, dass die „Flugzeuge im Bauch“ sich hartnäckig allen Streichungen widersetzen, folgt die Rache postwendend: mit einer Persiflage des eigenen Gesangsstils. Die Papierflieger aus dem Publikum fliegen trotzdem. Und der „Oh wie ist das schön“-Gesang bleibt nicht aus.

Warum auch nicht? Es stimmt ja. Wäre schlimm, wenn alles gleich bliebe. Nur die tolle Band mit Gitarrist Jakob Hansonis, Drummer Armin Rühl, Saxofonist Frank Kirchner und den anderen, die darf bleiben.

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