Kurpark Classix: Ein berauschendes Fest im Grünen

Kurpark Classix : Ein berauschendes Fest im Grünen

Picknicken auf Sterne-Niveau

Von Richard Wagner über Katie Melua bis Mark Forster: Rund 16.000 Besucher haben am Wochenende bei den Kurpark Classix Aachen gefeiert.

Ein Rauschen geht durch die smaragdgrün leuchtenden Bäume im Aachener Kurpark und lässt die schwarzen Tücher der Bühnenverkleidung wehen. Die 13. Kurpark Classix zeichnen sich durch ein empfindsames, von Klassik bis zu Folk, Pop und Jazz märchenhaftes Programm aus. Und Veranstaltungsleiter Christian Mourad freut sich über rund 16.000 Zuschauer an vier Tagen, denen sich am Montag noch das ausverkaufte Open-Air-Konzert mit Mark Forster anschließt.

Wer sagt eigentlich, dass es langweilig ist, wenn man ein Wagner-Werk nach dem anderen hört? Generalmusikdirektor Christopher Ward, das Sinfonieorchester Aachen sowie Opern- und Sinfonischer Chor beweisen am ersten Classix-Abend unter dem Motto „Heldenhaft“ das Gegenteil, wobei Ward geschickt den Musik-Appetit auf die Oper „Hagen“ steigert, die Eröffnungspremiere des Musiktheaters.

Dramatik und tiefe Gefühle

Der „Walkürenritt“ aus der „Walküre“ bringt Schwung ins Konzert, bei dem es einen Grandseigneur der Oper zu begrüßen gilt: Sir John Tomlinson, der britische Bass, in Bayreuth lange Jahre für Götter und Fürsten zuständig, betritt im Frack die Bühne. Ob er das „Hoiho“ des Hagen oder die Arie des König Heinrich aus „Lohengrin“ singt – er fasziniert. Noch immer stimmgewaltig, zieht er die Menschen hinein in die Dramatik und die tiefen Gefühle, die Wagner in Musik verwandelt hat.

Tomlinson singt und spielt auf kleinstem Raum, den er würdevoll abschreitet, ballt die Fäuste, wendet sich Hagens „Mannen“ aus Opern- und Sinfonischem Chor zu und bannt das Publikum. An seiner Seite sind Ronan Collett (Bariton), Sonja Gornik (Sopran), Irina Popova (Sopran) und Hans-Georg Wimmer (Bass-Bariton) stimmschöne Mitstreiter, die Damen in funkelnden Roben, während sich der Himmel pastellige Farben zulegt.

Der zweite Teil des Abends fügt weitere „Töne“ hinzu, darunter heißgeliebte Arien, die mit Leidenschaft in den Park fluten. So hat Ward einen Ausflug zu Giuseppe Verdis „Nabucco“ eingeplant, bei dem Irina Popova die Arie der Abigaille funkelnd interpretiert, Sir John das flehende „Veni, o levita“ als Hoherpriester Zaccaria singt und die von Jori Klomp bestens vorbereiteten Damen und Herren im Rücken des Orchesters den  „Gefangenenchor“ singen, wahrhaft „heldenhaft“. Im Ausklang erneut Wagner – innig Collett mit der Arie an den Abendstern (aus Wagners „Tannhäuser“) und Sir John mit Wotans väterlichem „Leb wohl du kühnes, herrliches Kind“ („Die Walküre“).

Die Poesie der Katie Melua

Heldenhaft soll es am nächsten Abend weitergehen, wenn die georgisch-britische Sängerin und Songwriterin Katie Melua still mit der Gitarre im Arm die Bühne betritt. Beim Crossover-Konzert dirigiert Kapellmeister Mathis Groß und findet einen sensiblen Konsens zwischen Orchester und Melua-Band. 20 Stationen hat die Tour der Künstlerin durch Europa, die beim Blick in den Kurpark staunt. Das wirkt ehrlich –  wie alles, was sie erzählt und singt. Im schlichten roten Samtkleid bietet sie den romantischen Mittelpunkt auf der Bühne.

Träumerisch der Auftakt, das Bekenntnis zu den Wurzeln erklingt in georgischer Sprache. Die Fans lauschen ergriffen – hinhören lohnt sich, denn Katie Melua bringt neben guter Musik echte Poesie mit. Ihr Erfolgsstück „Nine Million Bicycles“ darf nicht fehlen, es ist frisch geblieben. Die 34-Jährige beweist, dass sie sich zudem als Jazz-Lady behauptet und rockig performen kann. Eine „Verbeugung“ vor Simon & Garfunkel ist eine persönliche Interpretation von „Bridge Over Troubled Water“. „What a Wonderful Day“ spricht ihr aus den Herzen.

Malte sucht und findet das hohe C

Mit Tiefgang und Witz baut Mate Arkona auf der „Suche nach dem hohen C“ am Sonntagsvormittag sein „Classix for Kids“ zusammen mit Lisa Klingenburg und dem Kinder- und Jugendchor vom Theater Aachen auf. An seiner Seite gibt es eine Premiere: Yura Yang, neue erste Kapellmeisterin und stellvertretende GMD, hat den Taktstock übernommen – konsequent, genau und sichtlich amüsiert. Der Ton „C“ ist weg und wird in Taschen, Picknickkörben, bei Muttis und Papis gesucht. Musikstücke wie Mozarts „Kleine Nachmusik“ klingen seltsam schief ohne die wichtige Note. Tonleitern, Instrumente, all das bringt Arkona zur Sprache. Mezzosopranistin Rina Hirayama – ganz in Pink – platzt als überdrehte Primadonna in die Szene und singt – zunächst ohne, dann mit „hohem C“, nachdem Solotrompeter Simon Bales (mutig) im Schlafanzug auf die Bühne geschlichen ist, um furios den dritten Satz aus Joseph Haydns Trompetenkonzert zu spielen – Rettung für das „C“.

Romantisch und geheimnisvoll findet das pralle Wochenende am Sonntagabend seinen Abschluss, den GMD Ward erneut betreut: In „Epische Sagen“ zieht es ihn zurück zu Wagners „Lohengrin“, klangschön Edvard Griegs Peer Gynt-Suite 1 und 2, wobei Star des Abends die britische Schlagzeugerin und Komponistin Evelyn Glennie ist. Die Künstlerin, die infolge eines Nervenleidens nur noch 20 Prozent ihres Hörvermögens hat, ist eine Könnerin. Die Menschen sind ergriffen und dürfen zum Schluss zu Händels „Feuerwerksmusik“ den leuchtenden Himmel über dem Kurpark bestaunen.

Am 28. August 2020 starten die 14. Kurpark Classix.

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