Pianistenpreis in Aachen: Die Effekte eines Chopin-Konzerts

Pianistenpreis in Aachen : Die Effekte eines Chopin-Konzerts

Die Japanerin Mizora Ozaki gewinnt in Aachen den internationalen Pianistenpreis „MozARTe“. Der Münchner Vincent Neeb erzielte als jüngster unter den Endteilnehmern einen beachtlichen 3. Preis.

Dass ein deutscher Teilnehmer in der Finalrunde um die begehrten Preise eines angesehenen Musikwettbewerbs ringen darf, kommt nicht allzu häufig vor. Und auch beim „MozARTe International Piano Competition“ liegt es schon einige Jahre zurück, dass sich ein deutscher Pianist, wie jetzt der Münchner Vincent Neeb, gegen die Übermacht aus dem Fernen Osten durchsetzen konnte.

In Konkurrenz mit drei weiteren Finalisten erzielte der 21-jährige Pianist als jüngster unter den Endteilnehmern einen beachtlichen 3. Preis. Für den ersten Platz einigte sich die international besetzte Jury unter Leitung der Professoren Andreas Frölich und Ilja Scheps nach dem Abschlusskonzert im vollbesetzten Ballsaal des Alten Kurhauses auf die 23-jährige Japanerin Mizora Ozaki gefolgt vom 22-jährigen Italiener Riccardo Gagliardi. Leer ging niemand aus. Die Südkoreanerin Gi Ran Jung teilte sich mit Vincent Neeb den 3. Preis.

Eine nachvollziehbare Entscheidung der Jury, die durch den Publikumspreis für die Japanerin untermauert wurde. Ob man mit der Änderung der Wettbewerbsbedingungen, neben der Auswahl von drei Klavierkonzerten Mozarts auch ein gänzlich anders gestricktes Werk wie Frédéric Chopins 2. Konzert zuzulassen, auf dem richtigen Gleis fährt, ist zumindest fraglich. Es fällt auf, dass die ersten beiden Preise mit dem effektvolleren Chopin-Konzert erzielt wurden, das den Teilnehmern größere Möglichkeiten zu virtuoser Brillanz bereithält als ein Mozart-Konzert, das die Interpreten vor keine geringeren, aber weniger spektakuläre Probleme stellt.

Das zeigte sich daran, dass beiden Mozart-Interpreten vor allem die langsamen Sätzen schwer fielen. Da gingen der natürliche melodische Fluss und die lebendige Phrasierung angesichts der zäh genommenen Tempi leicht verloren. Auf der anderen Seite neigten beide Chopin-Fans im letzten Satz zu überdrehten Tempi, durch die die tänzerische Eleganz und der Charme des Werks, womit die Japanerin zuvor eine Klasse besser glänzen konnte als ihr italienischer Konkurrent, auf der Strecke blieben. Die Vergleichbarkeit der insgesamt vorzüglichen Leistungen wird durch die Auswahl solch unterschiedlicher Werke nicht erleichtert.

Die vier Finalisten setzten sich unter 34 Konkurrenten durch und können sich über Preisgelder zwischen 500 Euro für den Publikumspreis und 3000 Euro für den 1. Preis freuen. Die vier Wettbewerbsbeiträge im Schlusskonzert unterstützten wie in den Vorjahren die bewährten „MozARTe Festival Strings“ unter Leitung von Ervis Gega.

www.mozarte-aachen.com

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