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Grenzlandtheater im Reitstadion: Bunte Musikrevue mit Hit-Potenzial

Grenzlandtheater im Reitstadion : Bunte Musikrevue mit Hit-Potenzial

Das Grenzlandtheater bietet unter dem Titel „Preis der Intonationen“ im ALRV-Reitstadion in der Soers einen gelungenen, abwechslungsreichen Abend. Zu hören sind Publikumslieblinge, Evergreens – und einen Ausblick auf Kommendes gibt es auch.

Ein Sommernachtstraum in der Soers. Am dramatischen Abendhimmel leuchten imponierende Wolkenbilder, doch erste Tropfen werden erst zehn Minuten nach Vorstellungsende fallen, wenn alle – Zuschauer wie Akteure – mit einem Glücksgefühl das Hauptstadion des ALRV in Aachen verlassen, wie es lange nicht möglich war. Das Grenzlandtheater hat in Kooperation mit dem CHIO Aachen den „Preis der Intonationen“ als Open-Air-Musical-Revue ins Leben gerufen.

Inszeniert von Intendant Uwe Brandt, wurde das Gipfeltreffen der Publikumslieblinge aus Produktionen wie der „Rocky Horror Show“, „My Fair Lady“, „La Cage aux Folles“ und „Cabaret“ sowie der nächsten Premiere „Saturday Night Fever“ (ab 9. Dezember, Vorverkauf startet heute) unter der musikalischen Leitung von Gero Körner zum umjubelten Event.

Premierenabend im Reitstadion: Die Besucher sind diszipliniert, die Ordnungskräfte aufmerksam, höflich, unaufgeregt. Sofort steigt das so typische Reitstadion-Aroma in die Nase, der Duft von Gras und Pferden. Die Aachener Stadtreiter empfangen mit einem Spalier die Zuschauer.

Sänger Samuel Schürmann reichte eine weiße Federboa, um in seine Rolle als „Zaza“ zu schlüpfen. Foto: Andreas Herrmann

Noch vor der Show wird eine dekorative Runde geritten – Verbeugung vor großer Reitsportgeschichte, die hier geschrieben wurde. Applaus brandet auf, für die Pferde, ihre Reiter und für das Ensemble, das sich winkend über die Wiese der Musical-Bühne nähert. Die Menschen winken zurück. Was für eine Freude, es geht wieder los.

Das betonen auch Uwe Brandt und seine Akteure. Der Lockdown durch das Coronavirus war eine bittere Zeit, an diesem Abend schöpft man Hoffnung. Die Zuschauer teilen offensichtlich diese Gefühle. Mit Werner Lauscher (Bass), Heribert Leuchter (Saxophon), Steffen Thormählen (Schlagzeug) und Roger Schaffrath (Gitarre) versammelt Körner Musiker der ersten Kategorie um sich, die bald auch durch großartige Soli glänzen. Gleiches auf der Bühne: Samuel Schürmann, Karina Kettenis, Gido Schimanski, Tina Podstawa, Céline Vogt, Maria-Danaé Bansen – sie alle waren in Produktionen des Grenzlandtheaters zu sehen.

Die Bühne in der Soers ist gemütlich, Clubatmosphäre im Stadion mit samtig gepolsterten, Gold befransten Barhockern, runden goldenen Leuchten, aber dennoch Platz zum Tanzen, Singen – und Abstand-Halten, wie es die Sicherheit verlangt. Brandt sorgt mit seiner Moderation für Lockerheit.

Nicht nur Musical-Melodien leben in kleinen Szenen auf. Mit einer atemberaubenden Hommage an Edith Piaf vermittelt Tina Podstawa – sie verfügt über eine metallische Note in ihrer Stimme – ein Gefühl von Schmerz und stolzer Leidenschaft, ob „Milord“ oder „Non, je ne regrette rien“. Samuel Schürmann zeigt sich als versierter Entertainer und stellt eigene Songs vor. Gegen Ende seines Auftritts zieht Brandt eine weiße Boa hervor, und mit diesem einzigen Accessoire verwandelt Schürmann sich und singt: „Ich bin was ich bin“. Seine Rolle als „Zaza“ aus „La Cage Aux Folles“ ist unvergessen.

Ein bisschen „Preis der Nationen“-Feeling: Das Publikum belohnte den gelungenen Abend mit stehenden Ovationen – und winkte mit weißen Taschentüchern. Foto: Andreas Herrmann

Die Zuschauer halten den Atem an. Sie jubeln, und freuen sich über das kleine Tanzensemble, das unter der Leitung von Choreographin Marga Render flott agiert und in witzigem Aerobic-Outfit einen Vorgeschmack auf „Saturday Night Fever“ gibt. Dazu trägt auch Maria-Danaé Bansen bei. Sie wirft ihr „If I Can’t Have You“ klagend in die Nacht. Eine dynamische Céline Vogt vermittelt anschließend unter anderem Paris-Sehnsucht mit Joe Dassins Welthit „Les Champs-Élysées“. Beim luftigen „How Deep Is Your Love“ mit Gido Schimanski und Karina Kettenis rücken die Pärchen im Publikum zusammen.

Stimmgewaltig sind sie alle, Karina Kettenis beweist, dass sie nicht nur eine süße „Eliza“ ist, sondern zugleich ein freches Rocky-Horror-Girl im Leder-Röckchen beim „Time Warp“, dem getanzten Zeitsprung der Horror-Society. Schimanski rückt ab vom „Professor Higgins“ und entwickelt gemeinsam mit Schürmann ein Sänger-Duell, intensiv, dämonisch: Wenn sie die „Moritat von Mackie Messer“ aus Kurt Weills „Dreigroschenoper“ vortragen – „Denn der Haifisch, der hat Zähne…“ –, brennt die Luft. Songs wie „Seasons Of Love“ und „Thank You For The Music“ sind Bekenntnisse, die alle verstehen, weiße Taschentücher, weiße Bänder, ein bisschen „Preis der Nationen“-Feeling mit Abschiedswinken. Diesmal heißt der Gewinn: „Preis der Intonationen“.

Es ist ein rundum gelungener Abend. Intendant Uwe Brandt hat es geschafft, die 22 Songs mit fantasievollen Spannungsbögen zu einem Ganzen zu verschmelzen. Das Publikum belohnt es mit euphorischen Applaus.

Für die weiteren Aufführungen am kommenden Wochenende, 21. und 22. August, jeweils 20.30 Uhr, sind noch (Rest-)Karten erhältlich unter

www.grenzlandtheater.de