Bochum: Tedeschi Trucks Band spielt im Ruhrkongress

Konzert : Ein Spagat der besonderen Art

Die Tedeschi Trucks Band gilt seit Jahren als Garant für eine perfekte Mischung aus Blues, Rock, Jazz und Soul. Die zwölfköpfige Band gastierte jetzt im Rahmen ihrer Europa-Tournee im Bochumer Ruhrkongress. Und es war ein in vielerlei Hinsicht besonderes Konzert.

Wohl selten bekommt der geneigte Konzertbesucher einen derartigen Spagat zwischen Genialität und Oberflächlichkeit präsentiert wie bei der zwölfköpfigen Band aus dem amerikanischen Jacksonville. Das Konzert in Bochum war erneut bestes Beispiel dafür.

Was Perfektion in Sachen Zusammenspiel, Virtuosität der Musiker, Spannungsreichtum in der Songauswahl anbelangt, besticht die Tedeschi Trucks Band seit vielen Jahren. Mit dem mittlerweile vierten Album im Gepäck tourt die Truppe aktuell rund um den Globus und hat sich mittlerweile eine ganz ansehnliche Fan-Gemeinde erspielt.

Dass der Ruhrkongress wieder einmal nicht ausverkauft ist, zeigt aber auch, dass das Fan-Spektrum begrenzt ist. Die Band wäre offensichtlich in einer kleineren Halle besser aufgehoben. Und sie hätte ein passenderes Ambiente verdient als die extrem seelenlos und steril wirkende Arena mitten im Ruhrpott. Aber irgendwie scheint das dann doch auch keine Rolle zu spielen. Denn so überzeugend die Tedeschi Trucks Band sich musikalisch präsentiert, die Performance ist ebenso unpersönlich und kühl wie das Ambiente.

Kontakt zum Publikum findet nicht statt, Susan Tedeschi, die mit ihrer kraftvollen Stimme den Songs ihre besondere Note verleiht, piepst gerade einmal ein schüchternes „Hello“ oder ein „Thank You“ ins Mikrofon – und das ist es dann auch. Derek Trucks steht grundsätzlich seitlich zum Bühnenrand und dreht sich dann meist solierend mit dem Gesicht – zum Drummer. Sprechen mag der Band-Leader nicht, Lächeln ist auch kompliziert, dass das Publikum seine unglaublich filigranen, einfühlsamen und mitunter bemerkenswert druckvollen Soloausflüge mit heftigem Applaus quittiert, scheint ihn wenig zu kümmern.

Ist das arrogant? Oder schüchtern? Oder beides? Schwer zu sagen. Aber es stört dann doch, und es trübt den Eindruck eines Konzertes, das musikalisch eigentlich keine Wünsche offen lässt. Mit Stevie Wonders „Loving You is Sweeter Than Ever“ eröffnen Tedeschi Trucks den Abend und spielen dann ein Set quer durch alle bisherigen Alben garniert mit Blues-Klassikern wie Big Bill Broonzys „Key To The Highway“ oder Taj Mahals „Statesboro Blues“. Highlights des Abends sind sicher „Midnight In Harlem“ aus der Feder von Sänger Mike Mattison und Santanas „Souls Sacrifice“, bei dem die komplette Band mit einem Parforce-Ritt durch die Kunst der Improvisation besticht. So etwas findet man mittlerweile ganz selten im Rock-Geschäft. Das ist Kunst im wahren Wortsinn!

Mehr als zwei Stunden Konzert – aus völlig unverständlichen Gründen durch eine fast halbstündige Pause unterbrochen – hinterlassen einen leicht zwiespältigen Eindruck: Musikalisch mit höchster Perfektion und Spielkunst unterhalten und als Publikum völlig missachtet worden zu sein. Manch einer wird dann angesichts extrem steigender Ticketpreise demnächst vielleicht doch eher die CDs auf dem heimischen Sofa genießen wollen.

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