Benefizkonzert der 12 Cellisten im Aachener Dom

Benefizkonzert der 12 Cellisten : Absolute Spitzenklasse im Aachener Dom

Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker kommen nach Aachen – ein Glücksfall. Gemeinsam mit Trompeter Markus Stockhausen zaubern sie ein Benefizkonzert, das nur Gewinner zurücklässt.

Dass sich Orchestermusiker gern und möglichst oft der Kammermusik widmen, ist nicht ungewöhnlich und sogar erwünscht. Die ungebrochene Erfolgswelle, auf der die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker seit ihrem ersten Auftritt 1972 reiten, ist jedoch so singulär wie ihre auf Weltniveau gehaltene qualitative Konstanz und ihr kaum noch überschaubares Repertoire von Schlager-Arrangements bis zu Auftragskompositionen der Avantgarde. Angesichts der Verpflichtungen als Orchestermusiker bleiben die Auftrittsmöglichkeiten naturgemäß eng begrenzt. Dass es der Familie von Klaus Pavel und Freunden unter diesen Umständen gelungen ist, die Spitzenstreicher für ein Benefizkonzert zugunsten der Pavel Children Foundation nach Aachen einladen zu können, muss man als Glücksfall bezeichnen.

Die einzigartige Aura des Aachener Doms tat ein Übriges, um den faszinierenden Abend abzurunden. Wobei sich der nicht unproblematische Hall erheblich weniger auf den Klangeindruck auswirkte als in groß besetzten Konzerten. Dazu trug die kluge Werkauswahl bei, die vor allem ruhige Zeitmaße favorisierte, und nicht zuletzt der charakteristische Grundklang des Ensembles. Ob in höchsten Lagen gestrichen oder ein orchestral sonorer Vollklang entfaltet wird: Das Klangbild scheint stets ein dunkel timbrierter, mitunter silbrig schimmernder Glanz zu überziehen.

Auch wenn man mit Rücksicht auf die Akustik und die sakrale Bedeutung des Doms fast ausschließlich Werke in getragenem Duktus auswählte, konnten die zwölf Streicher, darunter zwei Damen, alle Register ihrer Kunst ziehen. Entmaterialisiert zart in den Engels-Gesängen aus Mendelssohns „Elias“, völlig schwerelos in den irisierenden, in sich gekehrten Klängen der „Fratres“ des Esten Arvo Pärt, einfach nur schön in Gabriel Faurés Pavane op. 50, mit lateinamerikanischem Kolorit angereichert in Villa-Lobos’ „Bachianas Brasilieras“ Nr. 1 oder im elegisch-schwermütigen Duktus dreier ruhiger Tangos von Astor Piazzolla, die zum Kernbestand des Ensembles zählen. Ein Abend zum genussvollen Zurücklehnen, so weit das die Bestuhlung zuließ.

Eine pikante Note erhielt das Programm durch die Mitwirkung des Trompeters Markus Stockhausen, der stilistisch ebenso flexibel und aufgeschlossen durch die Gattungen schlendert wie die Cellisten. Er verstärkte die Cellisten-Gruppe bei einem Largo von Giambattista Martini in strahlendem barockem Glanz, bei einer gefühlvollen Romanze von Thomas Dubois und als Hauptbeitrag mit seiner Eigenkomposition „Miniatur einer Seelenreise“, die atmosphärisch an die kosmische Schwerelosigkeit Pärts anknüpft, getragen von butterweichen, in Samt und Seide gekleideten Klängen der Celli, jedoch geprägt von weit gespannten, introvertierten und sensibel geblasenen improvisationshaften Solo-Passagen.

Begeisterter Beifall, dem zwei Zugaben folgten. Ein Abend, der nur Gewinner zurückließ: die Musiker, die das Ambiente des Doms genossen, die Zuhörer angesichts eines Konzerts der absoluten Spitzenklasse und vor allem die von der Pavel Children Foundation und dem Kindermissionswerk Sternsinger unterstützten brasilianischen Kinder, denen der Erlös des Konzerts zugutekommen wird.

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