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„Connected“ von Paul Pankert: Barock trifft auf zeitgenössische Elektronik

„Connected“ von Paul Pankert : Barock trifft auf zeitgenössische Elektronik

Der ostbelgische Komponist Paul Pankert legt zum Abschluss eines Stipendiums das Album „Connected“ vor.

Seit 2014 ernennt die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens einen Kulturschaffenden für jeweils drei Jahre zum „Künstler Ostbelgiens“. Nach dem Maler Romain van Wissen konnte bis zum Ende des vergangenen Jahres der in Eupen ansässige Geiger und Komponist Paul Pankert den ehrenvollen Titel tragen, der neben einem Preisgeld von 5000 Euro mit verschiedenen Auftrittsmöglichkeiten verbunden ist, um der kulturellen Bedeutung der Region zu einer stärkeren Außenwirkung zu verhelfen.

Paul Pankert ist von Hause aus Geiger, unterrichtet an der Musikakademie der Deutschsprachigen Gemeinschaft in der ehemaligen Eupener Villa Arthur Peters und ist künstlerischer Leiter des Maastrichter Ensembles für zeitgenössische Musik, Ensemble 88. Durch seine intensive Konzerttätigkeit hat er große Erfahrungen mit barocker und zeitgenössischer Musik gewinnen können, die sich in seinen Kompositionen niederschlagen.

Fünf in den letzten drei Jahren entstandene Kompositionen enthält Paul Pankerts zweite CD, die er zum Abschluss seiner Tätigkeit als „Künstler Ostbelgiens“ unter dem Titel „Connected“ zusammengestellt und mit sieben Musikern des KL-EX (Klangexperimente) Ensembles eingespielt hat. Die Verknüpfung alter Traditionen mit zeitgenössischen Techniken spiegelt sich bereits in der ungewöhnlichen Besetzung für Cembalo, Alt-Blockflöte, Alt-Saxophon oder Bass-Gitarre wider, die durch eine Erweiterung mit elektronischen Mitteln interessanten klanglichen Verfremdungen unterworfen wird. Unsere Zeitung hat mit dem Komponisten über sein neues Album gesprochen:

Herr Pankert, auffallend an Ihren Kompositionen ist die Verbindung älterer, vor allem barocker Musik mit zeitgenössischen Kompositionstechniken. Wie ist es zu dieser „anachronistischen“ Allianz gekommen?

Paul Pankert: Als Geiger habe ich parallel zur neuen Musik auch sehr viel Barockmusik gespielt. Bei der Wiederentdeckung dieser Musik im Zusammenhang mit historischen Aufführungspraktiken ging es in den 80er Jahren ähnlich experimentell zu wie in der neuen Musik. Diese Zeit war für mich sicherlich sehr prägend und hat entsprechend heute auch einen entscheidenden Einfluss auf meine Kompositionen.

Das Album „Connected“. Foto: Etcetera

Johann Sebastian Bach und Girolamo Frescobaldi scheinen Sie besonders angezogen zu haben. Warum ausgerechnet Frescobaldi?

Pankert: Für mich faszinierend an der Musik des Frühbarocks ist ihr experimenteller Charakter. Formen sind noch nicht deutlich festgelegt, und sogar harmonische Zusammenhänge sind für heutige Ohren oft recht überraschend. Und Frescobaldi ist sicherlich einer der herausragenden innovativen Musiker dieser Epoche.

Welche barocken Elemente prägen Ihre Kompositionen?

Pankert: Ich würde sagen, vor allem die Form – abgesehen von den Stücken, bei denen Barockwerke ohnehin schon die kompositorische Grundlage bilden. So gibt es beispielsweise bei dem Stück „Connected II“ für Alt-Saxofon und Live-Elektronik formale Verwandtschaften mit einer frühbarocken Violinsonate und den Hauptteil des Stücks „Remote 2.0“ bildet eine Passacaglia in Anlehnung an barocke Vorbilder von Bach und anderen.

Welchen künstlerischen Beitrag leistet die elektronische Verarbeitung?

Pankert: Einen Entscheidenden: Sie erweitert die Möglichkeiten der Instrumente erheblich und verlangt dadurch auch einen völlig anderen kompositorischen Umgang damit. Das Cembalo hat beispielsweise plötzlich mikrotonale Möglichkeiten und kann Glissandi, Crescendi spielen, ohne jedoch den charakteristischen Cembalo-Klang aufgeben zu müssen.

Durch elektronische Transpositions- und Looptechniken wird eine Blockflöte zu einem mehrstimmigen Instrument. Selbst eine kontrapunktische Basslinie als tiefe Zweitstimme rückt dadurch in den Bereich des Möglichen.

Was sind Ihre nächsten Pläne?

Pankert: Was das Komponieren betrifft, gibt es für das kommende Jahr konkrete Pläne für ein neues Stück für Chor a cappella für den Belgischen Jugendnationalchor BEvocal sowie ein Stück für Flöte, Orgel und Elektronik. Dann, für 2022, ein abendfüllendes Werk für Bläserquintett und interaktive Videoinstallation zusammen mit den Eupener Komponisten Wolfgang Delnui und Christian Klinkenberg. Konzerte mit Werken aus der neuen CD waren für Lüttich, Maastricht, Eindhoven, Gent, Eupen, Brüssel und Köln geplant. Das einzige derzeit noch gültige Datum ist das Konzert in Köln am 21. März 2021. Alle anderen Daten sind vorerst auf Eis gelegt.

Das Album „Connected“ von Paul Pankert steht bereits auf den gängigen Streaming-Plattformen zur Verfügung. Als CD und LP ist es ab Mitte Januar im Handel erhältlich. Bestellt werden kann es bereits jetzt auch über die Webseite des Musikers.