Spektakulärer Auftakt: Aachener Chorbiennale begeistert das Publikum

Spektakulärer Auftakt : Aachener Chorbiennale begeistert das Publikum

Spektakulärer hätte der Auftakt der sechsten Chorbiennale in Aachen kaum ausfallen können. Die Kombination vom alteingesessenen Jungen Chor Aachen mit dem jugendlichen Jauniesu koris Kamer aus Riga erwies sich als ein künstlerischer Glücksgriff.

Bis auf zwei Ausnahmen war das Programm ausschließlich dem Motto „Nordklang“ der diesjährigen Chorbiennale gewidmet. Chorsätze aus Skandinavien und Lettland bildeten das Programm mit zwei stilistisch komplett gegensätzlichen Hälften.

Schon lange vor Konzertbeginn hatten sich Schlangen von Chormusik-Begeisterten vor der Kirche St. Jakob in Aachen gebildet, die Einlass begehrten. Schließlich war die große Kirche bis auf den auf den letzten Platz gefüllt. Darüber freute sich auch Aachens Kulturdezernentin Susanne Schwier, die die Biennale mit einer kleinen Ansprache eröffnete. Der Junge Chor Aachen präsentierte mit seinem Gründer und Leiter Prof. Fritz ter Wey Chorwerke aus Skandinavien. Sein Programm wurde eingerahmt von zwei Stücken des Norwegers Knut Nysted, eines der prominentesten und meist aufgeführten Komponisten von Chormusik der Gegenwart. Sein „Gloria“ aus der Missa brevis und sein „Stabat mater“ sind Beispiele für seine gemäßigt moderne Tonsprache, die im Falle des „Stabat mater“ in eindrucksvoller Weise ein Cello einbezieht, dessen Part von Jonas Seeberg mit intensiver Tongebung interpretiert wurde. Von aparten Dreiklangskombinationen geprägt ist das Benedicite Domino des Dänen Vagn Holmboe, während das Stück „Saul“ neben dem Chor einen Sprecher (Johannes Konrads) und einen Organisten (Marcel van Westen) verlangt und in äußerst dramatischer und teilweise harter Harmonik die Wandlung vom Saulus zum Paulus musikalisch darstellt. Der Junge Chor erwies sich einmal mehr als überlegener Anwalt zeitgenössischer Musik mit ausgefeilter Tongebung und sicherer Intonation auch bei den komplexesten harmonischen Strukturen.

Ausgesprochen spektakulär war der Auftritt des jungen Kammerchors aus Riga, der bis auf ein Stück des Italieners Lorenzo Donati und des Engländers Gabriel Jackson ausschließlich zeitgenössische Musik von hierzulande weitgehend unbekannten lettischen Komponisten bot. Eines war allen Kompositionen gleich: Sie waren in ihren stilistischen Mitteln äußerst wirkungsvoll. Klanglich konnten die jungen Damen und Herren, angeführt von dem charismatischen jungen Leiter Aivis Greters, dabei aus dem Vollen schöpfen. Sie wirkten selbst bei den extremsten stimmlichen Anforderungen vom gehauchten und gesprochenen Pianissimo bis zum geradezu hysterischen Schreien in der Komposition „Atsalums“ von Jekabs Jancevskis nie angestrengt. Die Aufteilung auf bis zu vier Klangblöcken im Kirchenraum bei einigen Stücken verursachte Gänsehautatmosphäre. Kleine Programmerläuterungen zu den lettisch gesungenen Stücken hätten das Verständnis der Zuhörer für diese suggestive Musik sicherlich noch erhöht.

Als Zugabe sangen die beiden Chöre unter der Leitung von Fritz ter Wey gemeinsam ein Abendlied der Norwegerin Grete Petersen. Insgesamt ein begeisternder Abend, der hohe Erwartungen auf die weiteren Konzerte der Chorbiennale weckte.

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