Aachen: Carmina Burana von Carl Orff in der Auferstehungskirche

Konzert in der Auferstehungskirche : Ein wahres Fest für die Ohren

Ein strahlendes Konzertpublikum und ein ausverkauftes Haus Gottes: Carl Orffs Carmina Burana Werk geriet in der Auferstehungskirche zu einem wahren Fest für die Ohren.

Kreiskantor Elmar Sauer brachte die „Weltlichen Gesänge für Sänger und Chöre, begleitet von Instrumenten und magischen Bildern“, wie Orff sein äußerst populäres Werk bezeichnet hatte, in der  Fassung für zwei Klaviere und fünf Schlagzeuge und großer Chorbesetzung mit über 120 Sängern auf die Bühne.

Gleich zwei Chöre, die Evangelische Kantorei Aachen Süd West und die Evangelische Kantorei Düren, traten gemeinsam auf. Der Dürener Chor feierte auf diese Weise mit seinem Chorleiter Stefan Iseke sein hundertjähriges Chorbestehen. Solistin Laura Lietzmann sang mit lockend süßem, wunderbar schwebendem Sopran die von Orff angelegten Mädchenrollen.

Bariton  Christoph Scheeben übernahm mit bewundernswerter Leichtigkeit und Perfektion auch die Tenorstimme. Er hatte hörbaren Spaß an den satirischen Passagen; so geriet sein schwarzgebratener Schwan auch köstlich. Die beiden Pianistinnen Ina Otte und Ursula Wawroschek bestachen in Dynamik und Tempi. In höchster gegenseitiger Achtsamkeit und in feinster Abstimmung verstanden sie sich bestens mit dem fünfköpfigen Schlagzeugensemble. Andreas Wahl, Dirk Offelder, Jürgen Karle Tibor Herczeg und Valentin Casap faszinierten in kraftvoller Rhythmik mit ihren unterschiedlichen Schlaginstrumenten.

Unter Elmar Sauers einfühlsamem Dirigat meisterte der Chor auch komplexeste  Rhythmuspassagen und beachtliche Höhen.  Sauer hat damit einmal mehr das Kunststück vollbracht, ein großes deutsches Chorwerk mit seinem Gemeindechor zur Aufführung zu bringen.

In der Vergangenheit sang die Evangelische Kantorei Süd West unter Sauers Leitung Oratorien und Messen wie die Missa Solemnis von Ludwig van Beethoven und zuletzt 2017 den Paulus von Felix Mendelssohn Bartholdy. Nun also fiel die Wahl auf die durchaus sinnliche Carmina Burana, ein Werk von nahezu einmaliger Ausdruckskraft, das aber nicht zuletzt aufgrund seiner ausgeprägten Rhythmik zur Zeit seiner Uraufführung im Jahr 1937 von der nationalsozialistischen Propaganda als „bayrische Niggermusik“ verunglimpft worden war.

 Die Aufführung ließ vergessen, dass hier Sänger und Sängerinnen stehen, die teilweise ohne jegliche Chorerfahrung an dieses Werk herangebracht wurden, denn die Einladung zum Mitsingen war vor mehr als einem Jahr an eine breite Öffentlichkeit ergangen. So mancher wollte sich die Chance denn auch nicht entgehen lassen, als absoluter Laie an einem Kronjuwel der Chormusik mitwirken zu können.

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