Aachen: Begeisterter Beifall für Oktobermusik im Dom

Aachener Dom : Begeisterter Beifall für die Oktobermusik

Festliche Trompetenklänge haben den Aachener Dom im Rahmen der traditionellen Oktobermusik erfüllt. Angesichts des Anlasses der Konzertreihe, mit der seit 70 Jahren der Zerstörung der Stadt am Ende des Zweiten Weltkriegs gedacht wird, eher ungewohnte Töne.

Aber die ausgewählten Werke von Johann Sebastian Bach und Jan Dismas Zelenka gaben dennoch Gelegenheit zu nachdenklicher Einkehr.

Der sperrige Titel der Messe Zelenkas, „Missa Purificationis Beatae Virginis Mariae“, also eine Messe zur „Reinigung“ der Jungfrau Maria, weist auf die 40 Tage hin, die Müttern zu Jesu Zeiten gegeben wurden, um sich von einer Geburt zu erholen. Dass in dieser Messe noch weihnachtlicher Glanz nachhallt, darf also nicht verwundern. Domkapellmeister Berthold Botzet erinnert mit diesem wichtigen Werk an den böhmischen Komponisten, dessen Bedeutung erst seit wenigen Jahrzehnten richtig eingeschätzt wird, und der es an Originalität und Experimentierfreude bedenkenlos mit den berühmten Barock-Giganten Händel und Bach aufnehmen kann. Zelenka hat es als Kirchenkomponist am Dresdener Hof August des Starken übrigens weiter gebracht als Bach, der sich vergeblich um eine dotierte Anstellung an dem glanzvollen Hof bemüht hat.

Zelenkas wohl bedeutendste Messe ist gespickt mit Überraschungen, mit denen er sich von der Konfektionsware der meisten seiner Zeitgenossen wohltuend abhebt. Die Messe ist durchsetzt mit etlichen kurzen Fugen, die allesamt individuell geformt sind und jegliche schulmäßige Schablonenhaftigkeit vermeiden. Vitale, glänzend klingende Musik, die es nicht an spiritueller Tiefe vermissen lässt.

Botzet unterstreicht die Frische und Aufbruchstimmung des Werks durch straffe Tempi, die jedoch die akustischen Bedingungen des Doms nicht überfordern, so dass das Klangbild homogen bleibt. Die kompositorischen Finessen des Stücks bringen den gut geschulten Domchor ebenso wenig in Verlegenheit wie die Musiker des Aachener Sinfonieorchesters.

Kurzweilig und erbaulich

Bachs Kantate Nr. 82, „Erfreute Zeit im Neuen Bunde“, ist dem gleichen religiösen Anlass gewidmet, stellt aber eine deutliche Verbindung der Geburt Christi zu dessen Tod her, so dass es, ohne Trompeten, dafür mit zwei anspruchsvollen Hörnerpartien versehen, gedeckter und nachdenklicher wirkt. Dass Botzet die Kantate in die Messe Zelenkas fügte, verlieh dem gesamten ebenso kurzweiligen wie erbaulichen Abend eine zusätzliche Dosis an spiritueller Tiefe.

Zu diesem Eindruck trug auch das homogene Solistenquartett mit Maria Bernius (Sopran), Henriette Gödde (Alt), Wolfgang Klose (Tenor) und Thilo Dahlmann (Bass) wesentlich bei. Begeisterter, lang anhaltender Beifall.

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