Aachen: Musik zur Nacht mit dem Aachener Sinfonieorchester

Aachen : Musik zur Nacht mit dem Aachener Sinfonieorchester

In der abgespeckten Formation eines Kammerorchesters widmen sich die Mitglieder des Aachener Sinfonieorchesters Musikstücken, deren Besetzung für die Kammerkonzerte zu groß und für Sinfoniekonzerte zu klein ist.

In der lockeren Atmosphäre des Ballsaals im Alten Kurhaus gerieten die beiden ersten Versuche zu vollen Erfolgen. Und auch beim dritten Anlauf blieb jetzt trotz drückender Temperaturen kaum ein Platz leer. Wer früh genug kam, konnte sein Freigetränk sogar an einem der begehrten, leider zu wenigen nostalgischen Café-Tischen genießen.

„Nachtstücke“ standen im Mittelpunkt des kurzweiligen Programms, das Kapellmeister Mathis Groß für den verhinderten kommissarischen Generalmusikdirektor Justus Thorau mit gleicher Begeisterung und Kompetenz leitete. Man startete mit der wohl bekanntesten Serenade, Mozarts „Kleiner Nachtmusik“, die trotz ihrer Popularität im Konzertsaal erstaunlich selten zu hören ist.

Eine gute Gelegenheit, sich daran zu erinnern, welch melodischen Reichtum diese kleine, formal glasklar gestrickte und quicklebendig tönende Preziose ausstrahlt. Und das Aachener Sinfonieorchester präsentierte das launige Kleinod geradlinig, schlank und mit so viel Schwung, dass kein störender und bremsender Fettansatz zu hören war.

Direkten Bezug auf Mozart nimmt der Wolgadeutsche Alfred Schnitte in seiner ironisch gefärbten, gleichwohl von Respekt erfüllten Verbeugung vor dem Meister, die unter dem Titel „Moz-Art à la Haydn“ auch noch den älteren Kollegen Haydn mit einbezieht. Eine pfiffig durchmischte Collage von Zitaten aus meist weniger bekannten Werken der Klassiker, die Schnittke mit moderat modern eingefärbten Störfeuern und Fallstricken durchsetzt, ohne den locker-heiteren Serenaden-Charakter zu trüben.

Dankbare Aufgaben auch für die beiden Solisten Manon Stassen und Önder Baloglu, die sich auf ihren Violinen ein virtuoses Duell lieferten und am Ende, wie in Haydns „Abschieds“-Symphonie, vorzeitig den Saal verließen.

Luigi Dallapiccolas ernste, ruhig ausschwingende „Piccola musica notturna“ (Kleine Nachtmusik) aus dem Jahre 1954 weist außer dem Titel zwar keinen Bezug zu Mozarts Serenade auf, ergänzte das Programm jedoch in seiner Eigenschaft als „Nachtstück“. Das trifft in Hinsicht auf die Tageszeit auf Claude Debussys „Prélude à l‘après-midi d’un faune“ (Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns) zwar nur bedingt zu, aber die zeitentschleunigte Schwüle der Musik könnte man sich auch zu nächtlicher Stunde vorstellen.

In der kleinen Besetzung für Kammerorchester wirkt das Werk zwar klanglich härter und verliert auch ein wenig an farbiger Tiefenschärfe. Allerdings erlaubt die Version einen nahezu unverstellten Einblick in die raffinierte Textur der Partitur, die die Musiker, allen voran die stark geforderten Bläser, vorzüglich zum Klingen brachten.

Begeisterter Beifall, dem sich an der Theke noch mancher Small Talk mit den Musikern anschloss.

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