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Aachen: Musik nach einer Mars-Mission

Aachen : Musik nach einer Mars-Mission

Andreas Grau ist die eine Hälfte des Piano-Duos Grau-Schumacher. Sei mehr als 20 Jahren behauptet er sich mit seinem Partner Götz Schumacher erfolgreich auf dem Markt.

Das Duo profiliert sich neben dem gängigen Repertoire vor allem mit äußerst durchdachten Aufnahmen zeitgenössischer Musik, gerade erschienen ist die CD „Kosmos”, auf der Peter Eötvös gleichnamige Komposition den Mittelpunkt bildet.

In Aachen spielen Grau-Schumacher die deutsche Erstaufführung des Doppelkonzerts von Detlev Glanert im nächsten Sinfoniekonzert am 4. und 5. November. Wir sprachen mit Andreas Grau.

Wie ist es zu dem Glanert-Projekt mit Aachen gekommen?

Grau: Natürlich haben wir von der Entstehung der Komposition gehört und uns sehr interessiert. Glanert hat das Werk im letzten Jahr für die BBC geschrieben und uraufgeführt. Die Idee, die deutsche Erstaufführung in Aachen zu machen, basiert wohl darauf, dass Marcus Bosch Glanert kennt und schätzt. Sie haben zusammen eine Oper uraufgeführt, „Nijinskys Tagebuch”. Der Kontakt zu uns kam dann über den Verlag Boosey and Hawkes. Und wir sind natürlich sehr gespannt.

Erfordert eine deutsche Erstaufführung eigentlich besondere Umstände?

Grau: Wir haben jetzt neulich in Berlin mit Detlef Glanert gearbeitet. Die Partitur ist recht klar, aber es ist ganz schön, von Komponisten aus erster Hand zu erfahren, was er sich dabei gedacht hat. Die einzelnen Sätze sind ja durch die Bilder der Voyager-Sonde inspiriert, und da ist es schön, wenn man mit dem Komponisten darüber sprechen kann.

Reisen Sie früher nach Aachen an?

Grau: Wir haben zunächst eine Verständigungsprobe mit dem Dirigenten vereinbart - das macht man häufig bei solchen Projekten. Und da wird auch Glanert dabei sein. Er wird uns auch in den Probetagen immer begleiten, und das finde ich auch sehr wertvoll. Glanert hat nach der Premiere in England noch einiges umgeschrieben. Bei der zweiten Aufführung jetzt kann es sein, dass er vielleicht etwas in der Instrumentation oder ein paar dynamische Dinge verändert. Der Prozess einer Komposition ist ja im Grunde immer nur vorläufig abgeschlossen, denken Sie an Mahler oder Bruckner, die ihre Sinfonien dauernd umgeschrieben haben. Von daher ist es für uns wichtig, dass Glanert uns begleiten kann.

Ist das schwierig für Sie, ein ganz neues Stück einzuüben?

Grau: Nun, wir bewegen uns in der Neuen Musik ja ganz gern, für uns steht ungefähr jedes Jahr eine Uraufführung an, mindestens. Da gehört das auch zum Alltag. Aber ich finde es immer wieder toll, ein neues Stück kennenzulernen. Glanert hatten wir bisher nicht im Repertoire, und jeder Komponist hat eine andere Tonsprache, das ist jedesmal auch eine andere Welt.

Auf Ihrer neuen CD „Kosmos” geht es musikalisch vielgestaltig um Ideen vom Kosmischen. Glanerts Konzert ist ebenfalls von Dingen jenseits des Irdischen inspiriert. Ist das Zufall?

Grau: Im Grunde genommen ja. Aber das ist auch spannend. Auf der CD bringen wir ja Musik des 20. Jahrhunderts zusammen, die gerade nicht hermetisch ist, sondern von jedem Hörer verstanden werden kann. Jedenfalls ist das unser Bestreben. Vielleicht liegt das auch der Bildhaftigkeit der Thematik. Und bei Glanert ist das ja ganz ähnlich.

Was ist an Eötvös Musik universell, was an Glanerts kosmisch?

Grau: Eine schwierige Frage. Eötvös hat Material, das er mit 17 zum Weltraumflug Yuri Gagarins aufgeschrieben hat, später überarbeitet. Deshalb tauchen bildhafte Beschreibungen wie „Sternnebel” in der Partitur auf. Glanert sagt, er hätte seine Musik auch ohne die Mars-Bilder der Voyager-Sonde so schreiben können. Ich würde sagen, die Musik ist von den Bildern inspiriert. Die Sätze tragen eben Titel nach den Gegenden auf dem Mars. Und dass der letzte Satz „Elysium Mons” heißt, ist sicher kein Zufall. Aber es ist natürlich ein sehr präzise gebautes, aus wenigen Elementen entwickeltes Stück. Deshalb ist es auch leicht nachvollziehbar, sehr deutlich, offen geschrieben.

Erzählen Sie mehr!

Grau: Von den Klängen, die er gerade in den langsamen Sätzen entwickelt, ist es so, dass die Musik einen expressiven, nahezu romantischen Gestus bekommt. Glanert scheut sich auch gar nicht davor. Ich finde, in der Sparsamkeit, wie er die einzelnen Schichten kombiniert, entstehen ganz großartige Klangwirkungen. Das Konzert hat auch einen virtuosen Gestus, für uns toll zu spielen auch, aber gerade die langsamen Klangteile machen das Konzert zu etwas Besonderem in unserem Repertoire.

2. Sinfoniekonzert „Über den Wolken” am Mittwoch, 4., und Donnerstag, 5. November, 20 Uhr, im Eurogress Aachen. Programm: Detlev Glanerts Konzert für zwei Klaviere, deutsche Erstaufführung; Gustav Holsts „Die Planeten” op. 32. Ausführende: Klavierduo Andreas Grau und Götz Schumacher, Damen des Opernchors und des sinfonischen Chors Aachen (Einstudierung Frank Flade), Sinfonieorchester Aachen, musikalische Leitung Marcus R. Bosch. Das Konzert wird von Deutschlandradio Kultur live übertragen.