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Aachen: Musik in Bildern und der eingeflogene Flügel

Aachen : Musik in Bildern und der eingeflogene Flügel

Sie sind aktive Reisende der unendlichen Klangwelten: Beim Festival „In-Front” holen die Organisatoren der Gesellschaft für Zeitgenössische Musik (GZM) in der Klangbrücke Aachen seit 15 Jahren internationale und regionale Größen der Jazz-Szene, der freien und improvisierten Musik auf die Bühne.

Am kommenden Freitag, 28. November, startet „In-Front” mit einer neuen Serie von zehn ausgewählten Konzerten. Wir sprachen mit den Planern Heribert Leuchter und Werner Hüsgen.

„Unsere Kriterien sind ganz klar und einfach”, sagt Heribert Leuchter, Musiker, Komponist und im Ehrenamt Vorsitzender der Gesellschaft für Zeitgenössische Musik. „Wir laden nur Leute ein, die herausragende künstlerische Leistungen vorweisen können und die einem viel breiteren Publikum bekannt werden sollten.”

Im 15. Jahr geht jetzt das engagierte Festival für improvisierte und neue Musik über die Bühne der GZM, die mit ihrem Spielort sehr zufrieden ist. „Wir können den Gästen einen Raum im Alten Kurhaus, der gut klingt.”

Zusammen mit seinem Saxophon-Kollegen Werner Hüsgen, der mit dem Projekt „Electronic Research” selbst zu den Akteuren gehört, hat er ein vielschichtiges Programm an zehn Abende mit interessanten Gästen zusammengestellt.

„In-Front” - das hat etwas mit „frontière” = Grenze, aber auch mit „Avantgarde” zu tun, mit dem Gedanken, ein paar Schritte „voraus” zu sein. Gleich zum Auftakt ein Star der Szene: Der New Yorker Pianist Cornelius C. Kreusch (28. November), eine der wichtigsten Neuentdeckungen der Jazz-Welt. Sein Steinway-Flügel (4,80 Meter Breite) wird übrigens überall dort eingeflogen, wo er auftritt.

„Wir müssen ihn in Essen abholen und haben zum Glück eine Transportfirma als Sponsor”, erzählt Leuchter. „Kreusch hat einen Vertrag mit Steinway und ist dazu verpflichtet, sich an kein anderes Instrument zu setzen”.

Auch der Brite Garth Knox (4. Dezember) lässt aufhorchen. Als Solo-Bratscher - vormals Mitglied im Arditi-String-Quartett, das als Nr. 1 im Bereich der neuen Musik gilt - vertritt er überall auf der Welt einen Jazz der „spektralen” Dimension - die Klangbrücke ist sein erster Auftritt in Deutschland.

Gleich im Doppelpack treten das Yuri Honing Trio und das Quartett Sublim um die Saxophonistin Angelika Niescier (7. Dezember) auf. „Honing ist ein Star der niederländischen Szene, mit seinem Trio hat in diesem Jahr an der Eröffnung des North Sea Jazz Festivals mitgewirkt.”

Experimentell greift er zu Popmusik, um sie in Jazzformen zu überführen, die Musik als Sprache und Form der Kommunikation anzuwenden. Wie charakterisieren sie das, was sie zeigen und zum Klingen bringen? „Vital, spannend und auch melodiös”, so Heribert Leuchter. „Noch immer sprechen viele von Kopfschmerz-Musik, das stimmt aber überhaupt nicht.”

Er selbst ist diesmal nicht in erster Reihe dabei - dafür aber Werner Hüsgen und sein Projekt Electronic Research (30. November), aus dem er gern eine Band machen würde.

Auch hier ein spannender Plan: Zusätzlich zum DJ gibt es einen „VJ”, einen„Video-Jockey”, der die aktuell gefilmten Bilder von drei Live-Kameras multimedial im Saal je nach Musik als Performance in bildhafte Visionen umsetzt - eine Uraufführung und damit eine optische Form, Zugang zur neuen Musik zu finden.