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Aachen: Musica Antiqua mit ungewöhnlicher Spieltechnik

Aachen : Musica Antiqua mit ungewöhnlicher Spieltechnik

Es war keine leicht verdauliche Kost, die Reinhard Goebel mit seinen drei Kollegen von Musica Antiqua Köln einem interessierten Publikum in der Annakirche verabreichte.

Fünf von insgesamt sieben Partien aus den in ihrer Enstehung und Faktur rätselhaften „Harmonia artificiosa ariosa diversimodo accordata” von 1697 für zwei Violinen und Generalbass von Heinrich Ignaz Franz Biber.

Das Besondere dieser suitenartigen Stücke, von denen jedes eine höchst individuelle Satzfolge aufweist, ist die „Skordatur”, das Spielen auf umgestimmten Violinsaiten, die den Klangcharakter einer jeden Partia ganz besonders prägen.

Die höchst artifizielle Machart, die virtuose Grundhaltung der einzelnen Sücke, die alle bis dahin üblichen Konventionen völlig über den Haufen werfen, rufen auch heute noch verwundertes Kopfschütteln hervor.

Musica Antiqua Köln, im Umgang mit alter Musik über jeden Zweifel erhaben, bot eine vor Energie berstende und gespannte Wiedergabe dieser seltsamen Musik.

Vor allem die beiden Geiger Stephan Schardt und Reinhardt Goebel stellten eindrucksvoll ihre spieltechnischen Möglichkeiten unter Beweis und wurden allen Facetten dieser vielgestaltigen und filigranen Musik gerecht.

Im Verein mit dem Cellisten Klaus-Dieter Brandt und dem Cembalisten Léon Berben entstanden Aufführungen wie aus einem Guss.

Ein einziger vorsichtiger Einwand sei gestattet: Muss das alles in einem permanenten Forte und Fortissimo ablaufen? Ist da keine größere klangliche und dynamische Differenzierung möglich? Das klang doch insgesamt recht gewaltsam, teilweise geradezu rüde.

Eine kleine Erholung gönnten sich die beiden Geiger, als Léon Berben die Chaconne d-Moll für Cembalo solo von Johann Caspar Kerll technisch und stilistisch einwandfrei interpretierte.

Und im zweiten Teil komplettierte eine Chaconne von Philipp van Wichel das Angebot. Und noch eine virtuose Zugabe: Antonio Caldaras Ciacona B-dur. Begeisterter Applaus.