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Winterscheid: Mordgeschichte in der verschneiten Eifel

Winterscheid : Mordgeschichte in der verschneiten Eifel

„Es ist eine Geschichte über das Böse, das immer wieder passieren kann”, sagte die Schweizer Regisseurin Bettina Oberli bei den Dreharbeiten zur „Tannöd”-Verfilmung mit Schauspielstar Julia Jentsch („Sophie Scholl”).

In ihrem über eine Million Mal verkauften Krimi schildert die Autorin Andrea Maria Schenkel die Geschichte eines grausamen Mordfalls auf einem Einödhof nach dem Zweiten Weltkrieg - basierend auf einem authentischen Verbrechen. Ende nächsten Jahres solle der Streifen in die Kinos kommen, teilte Produzent Hejo Emons im Eifelort Winterscheid (Rheinland-Pfalz) mit.

Alter Tyrann und Geizkragen

Über die Story des Films berichtet die Wüste Film West Produktion: „Abgelegen im blauschwarzen Tannenwald liegt er, der Mordhof. Sämtlich wurde hier die Familie Danner brutal mit der Spitzhacke erschlagen, auch die Kinder und die neue Magd. Niemand im Dorf hat von der grausamen Tat etwas mitbekommen. Wundern tut es aber keinen, war doch der alte Danner ein alter Tyrann und Geizhals, der es sich mit jedem in der Umgebung verscherzt hatte. Seine frömmelnde Frau sprach mit niemandem, und die Kinder von der Tochter Barbara sollen vom alten Danner gewesen sein...

Als ein paar Jahre später Kathrin (26) auftaucht, um ihre Mutter zu beerdigen, geht noch immer Angst und Schrecken um im Dorf. Denn den Mörder hat man nie gefunden. Die widersprüchlichen Andeutungen über ihre Mutter irritieren Kathrin, und sie beginnt zu ahnen, dass der Mord mehr mit ihr zu tun hat als ihr lieb ist...”

Eiswürfel lutschen...

„Wir spielen im Moment Sommer”, sagte Julia Jentsch am kalten Drehort in der verschneiten Eifel. „Wir müssen Eiswürfel lutschen, damit man den Atem nicht sieht.” Jentsch spielt die Altenpflegerin Katrin, die zur Beerdigung ihrer Mutter ins Dorf zurückkommt. Ihr vertrauen die Leute ihre Versionen zu dem Mord an. Alle betonen damit ihre Unschuld.

Das Buch hatte sie vorher nicht gelesen. Sie habe sich schwergetan mit der Annäherung, gestand Jentsch. Neben Jentsch spielt Monica Bleibtreu eine Hauptrolle. Die Regisseurin Oberli hat sich mit den Filmen „Die Herbstzeitlosen” und „Im Nordwind” einen Namen gemacht. Die Wüste Film West Produktion wird unter anderem von der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen und vom Bundesamt für Kultur der Schweiz gefördert.

Bernd Eichinger habe mit dem Stoff geliebäugelt, erzählte Produzent Emons: „Wir haben ihn den quasi vor der Nase weggeschnappt.” Inzwischen ist Eichingers Constantin Film Produktion Koproduzent und Verleih. Es werde kein reiner Mainstream-Film, kündigte Emons an. Dafür bürgt sicher nicht nur die Vorlage, sondern auch der Drehort. Winterscheid gehört zu den sehr einsamen Flecken der Eifel. Hier liegt der fiktive „Hauer Hof”, neben dem „Tannöd Hof” im Sauerland der zweite Drehort.

Der Hof am Drehort ist im richtigen Leben schon lange verlassen. Die kleine Küche strahlt den Charme der damals ärmlichen Landbevölkerung aus: vergilbter Putz an den Wänden, Emaille-Geschirr im Schrank Kachelofen. Der Stall wurde „revitalisiert”, Kühe wurden hergeschafft. Der Film erzähle die Geschichte „wie das Böse in die Welt kommt und es seinen Nährboden findet”, sagt Oberli. Es gehe um Verdrängung von Schuld im Mikrokosmos Dorf. „Es geht um Verunsicherung, dass nichts ist, wie es scheint, und dass man niemandem trauen kann.”

Münchner Landgericht hat die Plagiatsvorwürfe widerlegt

Andrea Maria Schenkel (geboren am 21. März 1962 in Regensburg) veröffentlichte ihr Romandebüt „Tannöd”, der auf einem ungeklärten Mordfall im bayerischen Hinterkaifeck basiert.

Für diesen Roman erhielt sie 2007 den Deutschen Krimi Preis und den Friedrich Glauser-Preis. Für das Hörbuch erhielt sie 2007 den Corine-Weltbild-Leserpreis.

Für ihren zweiten Roman „Kalteis” erhielt sie ebenfalls den Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet.

Der Journalist Peter Leuschner warf der Autorin vor, „Tannöd” sei ein Plagiat seiner Bücher „Hinterkaifeck. Deutschlands geheimnisvollster Mordfall” (1978) und „Der Mordfall Hinterkaifeck” (1997).

Die Autorin habe, so Leuschner, Passagen teilweise annähernd wortgleich abgeschrieben. Dagegen wurde argumentiert, Leuschner habe ein dokumentarisches Sachbuch verfasst, Schenkel aber ein literarisches Werk geschaffen. Die historischen Fakten des spektakulären Falls seien urheberrechtlich nicht geschützt und in vielen offenen Quellen nachzulesen.

Die Plagiatsvorwürfe wurden mit dem Urteil des Münchner Landgerichts I vom 20. Februar 2008 widerlegt.