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Kreis Aachen: Monschau lockt die meisten Touristen

Kreis Aachen : Monschau lockt die meisten Touristen

Wer hätte das gedacht: Die Monschauer Altstadt zieht mit jährlich 1,7 Millionen Touristen mehr Gäste an als der Aachener Dom. Dabei hat das Prachtstück im Reigen der kaiserstädtischen Sehenswürdigkeiten nach 1,2 Millionen Besuchern im Jahr 2006 doch schon um 300.000 auf 1,5 Millionen Gäste im Vorjahr zugelegt.

Wer da ins Staunen gerät, kommt spätestens bei den nächsten Zahlen ins Stutzen. Denn wie kommt es, dass der Monschauer Weihnachtsmarkt vor zwei Jahren noch 180.000 Gäste anzog, aber ein Jahr später nur noch 32.000? Wer zählt die Gäste, oder muss man fragen: Wer würfelt hier mit den Zahlen?

„Begründete Schätzung”

Peter Gier kennt die Zahlen. Schließlich sind sie im Tourismus-Barometer 2007 nachzulesen, das sein Arbeitgeber - die Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (Agit) - herausgibt. Und der Wirtschaftsgeograph kennt die Probleme mit Besucherzahlen. Vor allem was Veranstaltungen betrifft.

Denn anders als bei festen Einrichtungen wie Museen oder Theater, bei denen der tatsächliche Kartenverkauf ein „recht verlässlicher Faktor” ist, sei dies bei Stadtfesten und anderen Veranstaltungen schon heikel, sagt der Mann vom Agit-Projektmanagement. Wobei: „Es wird nicht ins Blaue hinein geschätzt”, betont er.

Vielmehr seien es „begründete Schätzungen von Kommunen und Privatveranstaltern etwa auf der Grundlage von Autos und Bussen, die auf Parkplätzen gezählt werden”. Doch da „jeder seine eigene Methode hat, seien die Zahlen nicht unbedingt vergleichbar”, sagt Gier, der für das Tourismus-Barometer auf die möglichst realistischen, sprich: ehrlichen, Angaben angewiesen ist: „Wir prüfen die offiziellen Zahlen zwar auf ihre Plausibilität. Aber wir haben nicht die Kapazitäten, die Zahlen zu hinterfragen.” Das heißt: „Wir müssen den Zahlen vertrauen.”

Und was ist dann mit dem Monschauer Weihnachtsmarkt? Bei diesem „Sonderfall” (Gier) sieht die Agit ihre Schuldigkeit darin getan, auf die Umstellung des Monschauer Parkleitsystems und die damit einhergehende Einschränkung der Besucherzählung zu verweisen. Und es heißt im Tourimus-Barometer, dass sich der Markt in der Altstadt „zunehmender überregionaler Beliebtheit” erfreue.

Generell sieht Gier in dem seit 2006 aufgelegten Barometer eine gute Datensammlung, die das touristische Potenzial der Region erfasst und dadurch einen Überblick verschafft - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Eine wichtige Erkenntnis ist dabei für die regionalen Wirtschaftsförderer, dass neben den Dauerbrennern wie Dom, Chio oder Weihnachtsmärkte auch neue Angebote wie die Aachener Konzertreihe „September Special” angenommen werden.

Und auch der Nationalpark Eifel „hinterlässt schon jetzt Spuren”, sagt Gier mit Blick auf steigende Gäste- und Übernachtungszahlen. Vor allem Simmerath und Monschau, wo sich der Übernachtungstourismus im Aachener Kreisgebiet konzentriert, profitieren von dieser Entwicklung. Insgesamt verzeichnet das Landesstatistikamt - auf dessen Daten bezieht sich das Barometer - von 2002 bis 2007 einen Gästezuwachs im Kreis Aachen von 11,5 Prozent auf rund 194.500 Gäste.

Die Zahl der Übernachtungen stieg im selben Zeitraum um 8,4 Prozent auf 510.777. Und so spricht Gier wegen der besseren Bettenauslastung in der Eifel schon von einem „Nationalpark-Effekt”. Wobei auch hier nur die halbe Wahrheit abgebildet wird. Denn die Statistiker in Düsseldorf registrieren lediglich die Übernachtungsbetriebe ab neun Betten (124 im Jahr 2004, 125 im Jahr 2007) mit ihren derzeit 1490 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten (minus 3,8 Prozent seit 2002), auch die Agit erfasst die zahlreichen kleineren Pensionen mit vielen Teilzeit-Kräften nicht.

So dürften die Effekte des Nationalparks auch nach Einschätzung von Peter Gier noch größer sein als im Tourismus-Barometer abzulesen. Denn gerade auch die Kleinstbetriebe in Monschau und Simmerath profitieren von den Gästen, die nicht nur wegen „Rursee in Flammen” oder wegen des Simmerather Herbstmarktes für mehr als einen Tag in die Eifel reisen.


Kein Anspruch auf Vollständigkeit

Bei aller Datenfülle erheben die regionalen Wirtschaftsförderer der Agit beim Tourismus-Barometer keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wobei sich rund 100 touristische Einrichtungen und Ausrichter von etwa 100 kultur-touristischen Veranstaltungen beteiligt haben - was einer Rücklaufquote von 80 bis 90 Prozent entspricht.

Mit Blick auf das kommende Jahr hofft Peter Gier darauf, dass auch bisher unberücksichtigte Einrichtungen und Veranstalter ihre Besucherzahlen melden.