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Bonn: Mommsen-Bibliothek im Museum

Bonn : Mommsen-Bibliothek im Museum

Das Akademische Kunstmuseum in Bonn zeigt zum 100. Todestag von Theodor Mommsen wertvolle Bücher aus der legendären Bibliothek des Historikers und Literatur-Nobelpreisträgers.

In der Ausstellung „Ex Bibliotheca Theodori Mommseni” ist ab Donnerstag bis zum 23. Dezember eine Auswahl aus rund 15000 Bänden zu sehen.

Nach Mommsens Tod am 1. November 1903 hatte das Kunstmuseum die umfangreiche Sammlung erworben, die heute das Herzstück einer der größten altertumswissenschaftlichen Bibliotheken in Deutschland bildet.

Mommsen (1817-1903) wurde vor allem durch sein Werk „Römische Geschichte” berühmt, für das er auch den Nobelpreis erhielt.

Der Wissenschaftler, der Vater von 16 Kindern war, galt auch als streitbarer und scharfzüngiger Politiker.

In der Ausstellung ist auch Mommsens eigenes Exemplar der „Römische Geschichte” zu bestaunen.

Aber auch Bücher mit Widmungen von berühmten Schülern wie dem Kirchenhistoriker Adolf Harnack oder dem Althistoriker Conrad Cichorius sind zu sehen.

Die von Napoleon III. verfasste Caesar-Biografie liefert eine kleine Anekdote: So soll der französische Monarch mit Mommsen gut bekannt gewesen sein.

Das hinderte den Wissenschaftler aber keinesfalls daran, im privaten Kreise zu bemerken, das königliche Werk sei ein „erbärmliches Scriptum”.

„Eigentlich hatte Mommsen die Werke ja der Bibliothek in Berlin vermacht”, erklärt Dirk Piekarski, der die Ausstellung für das Kunstmuseum vorbereitet hat.

Glücklicherweise habe man dort im Jahr 1903 aber abgewunken. „Die Bibliothek in Berlin hatte schon zu Lebzeiten so viele Bücher von Mommsen bekommen, dass sie längst zufrieden damit war.”

Ellen Waldthausen, Witwe eines Essener Kaufmanns, übernahm als Sponsorin alleine den Kaufpreis von rund 60000 Reichsmark - fast die Hälfte des damaligen Jahresetats der Königlichen Bibliothek zu Berlin.

Der damalige Leiter des archäologischen Instituts, Georg Loeschcke, wollte mit Mommsens Nachlass aus seinem Institut ein Seminar aller Altertums-Wissenschaften machen. Er stieß bei den Behörden allerdings auf taube Ohren.

Schließlich hatte die prominente, aber etwas überdimensionale Sammlung schon einen Anbau an das Museum verlangt. Dort sind die Bücher noch heute untergebracht.

Jeder einzelne Band ist zum Beweis seiner Herkunft mit einem Stempel „Ex Bibliotheca Theodori Mommseni” versehen. Für Piekarski sind die Bücher ein wahrer Glücksfall: „Wir besitzen damit eine der eindrucksvollsten Sammlungen der Altertumswissenschaften in Deutschland. Die Studenten lernen noch heute aus den Büchern.”