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Aachen: Mittelständler auf Brautschau bei der „Agit”

Aachen : Mittelständler auf Brautschau bei der „Agit”

Hans Engels hat an diesem Abend schon vielen Frauen auf die Brust geschaut. Noch mehr Männer hat er angesprochen, um ihnen seine Karte zu geben. Jetzt reicht es ihm. Mit betretener Miene steuert er auf einen der Tische zu, nimmt die Lesebrille ab und lässt sich auf den Stuhl sinken. Engels Blicke schweifen durch das Foyer des Technologiezentrums „Agit”.

Am Nachbartisch hat jemand die Zahl „134” in schwarzen Lettern auf ein Stück Papier geschrieben. Jetzt wartet der in dunklem Zwirn gekleidete Mann mit erwartungsfrohem Blick auf Kundschaft. Stumm wandern die Menschen an ihm vorbei, während sie prüfend auf seine Brust starren, wo ihn ein ziemlich kleines Namensschild als Unternehmensberater ausweist. Engels packt jetzt seine bunten Visitenkarten aus. Mehr als 100 Stück hat er mitgebracht zu Aachens erster Visitenkartenparty.

Sein halbes Leben lang hat der 55-jährige Sozialpädagoge aus Vettweiß Dinge gesammelt, die einmal seine Kindheit prägten: Blechspielzeug, alte Bücher und Gemälde, sogar Säcke für Kaffeebohnen. Er hat fremde Wohnungen entrümpelt und dabei selbst immer mehr alte Schätzchen aufgetürmt. „Irgendwann ging es einfach nicht mehr. Ich musste die Sachen verkaufen”, erzählt Engels. Doch wie?

Hans Engels ist nicht von gestern, auch wenn sein Herz an alten Sachen hängt. In seinem Online-Antiquariat „Shop der Träume” verkauft er jetzt jetzt alles - von Trödel bis Kunst. Zudem vermietet er eine quietschgelbe, motorisierte Dreirad-Rikscha. Für 300 Euro pro Tag gibt es die Kiste inklusive Fahrer. Sie bietet Platz für maximal sieben Personen und macht höchstens 20 Sachen in der Stunde. Soweit, so gut. Bloß Kunden, die fehlen Hans Engels noch zum Unternehmerglück. Und deshalb ist er heute hier.