1. Kultur

Aachen: Mitreißende Erinnerungen eines Iren

Aachen : Mitreißende Erinnerungen eines Iren

Das neue Buch von Hugo Hamilton hat das Zeug zum Bestseller. Der Roman des 50-jährigen Iren besitzt diese von Trauer erfüllte Sehnsucht, diesen wunderbar elegischen Tonfall, der nur auf der grünen Insel verbreitet ist und den nur ein fröhliches Pint of Guinness im Pub aufzuheitern vermag.

Am Dienstag, 11. Mai, 19.30 Uhr, liest Hamilton im Aachener Couven-Museum (Hühnermarkt) aus seinem Werk.

„Gescheckte Menschen” steht wie McCourts Megaseller „Die Asche meiner Mutter” in der langen irischen Tradition der subjektiven Erinnerungsbücher, die mit dem „Porträt des Künstlers als junger Mann” von James Joyce begann.

Die Filmrechte Buch sind bereits verkauft. Erzählt wird aus der Perspektive des kleinen Johannes. Mit seinen Geschwistern wächst er als Sohn eines irischen Vaters und einer aus dem Rheinland stammenden deutschen Mutter in Dublin auf.

Die Kinder sind „speckled people”, so der Originaltitel - „gescheckte Menschen”. Sie haben eine bayrische Lederhose und einen wollenen Pullover an und werden auf der Straße nur „Nazi” und „Eichmann” gerufen.

Der Vater, ein vom Stolz auf die gälische Tradition völlig verblendeter, aber doch irgendwie liebenswürdiger Despot, verbietet ihnen, Englisch zu sprechen und lässt sie nur mit irischen Freunden spielen. Er kämpft nicht mit Waffen gegen die britische Vorherrschaft, sondern über die Kinder.

Hamilton schreibt nicht so intellektuell wie Joyce und nicht so traurig wie McCourt. Sein Roman besitzt eine ganz eigene Leichtigkeit, die nie ins Sentimentale abdriftet. Was auch der behutsamen Übersetzung von Henning Ahrens zu verdanken ist.

Auch Hamilton wuchs als Sohn eines irischen Vaters und einer deutschen Mutter mit Lederhosen in Dublin auf. Indem er die eigenen Kindheitserlebnisse ungebrochener als bisher verarbeitet, erreicht er eine Authentizität, die einfach mitreißen muss.