1. Kultur

Aachen: Mit musikdramatischem Instinkt

Aachen : Mit musikdramatischem Instinkt

Musik von Richard Wagner und Olivier Messiaen miteinander zu kombinieren, noch dazu in der Karwoche, das riecht in der Tat nach einem „Sakrileg”. Das Motto des 5. Aachener Sinfoniekonzerts traf ins Schwarze.

Den unbeugsamen Katholiken Messiaen und den an Gott und der Welt zweifelnden Zeit- und Menschheitskritiker Wagner verbindet religiös nur wenig. Umso reizvoller, wenn in der direkten Konfrontation des ultimativen Karfreitags- und Erlösungsmythos´ „Parsifal” mit Messiaens Auferstehungsbotschaft „L´Ascension” interessante Reibungsflächen und Spannungsfelder entstehen.

Das wurde jetzt auch im Eurogress hörbar, obwohl GMD Marcus R. Bosch mehr Interesse an der musikalischen als an der spirituellen Größe der ausgewählten Werke zeigte. Das zeigte sich gleich im Abendmahls-Motiv des „Parsifal”-Vorspiels, das Bosch metrisch so klar anschlug, dass sich der zeit- und taktentrückte Eindruck entmaterialsierter Schwerelosigkeit nicht so recht einstellen wollte.

Dafür bewies er ein glückliches Händchen für Wagners Mischklang-Vision, die sich zwar außerhalb des Bayreuther Festspielhauses nicht ideal umsetzen lässt, erst recht nicht im Eurogress. Doch kam Bosch dem Ideal so nahe, wie es unter diesen Umständen überhaupt nur möglich ist.

Nach der Pause entschied sich Bosch für den irdischeren zweiten Aufzug des „Bühnenweihfestspiels” anstatt für einen der beiden Gralsakte. Ein dramatisch kompaktes Psychogramm zweier Menschen auf der Suche nach ihrer Bestimmung. Bosch bewies den von ihm gewohnten musikdramatischen Instinkt, wobei das Aachener Sinfonieorchester die chromatisch schillernde Partitur spieltechnisch und klanglich vorzüglich bewältigte. Selbst das Blech hielt sich erfolgreich unter Kontrolle.

Ungleiche Solisten

Im Mittelpunkt standen mit Petra Lang und Gary Bachlund zwei denkbar ungleiche Gesangs- solisten. Die Rollen-erfahrene Sopranistin schlüpfte selbst auf dem Konzertpodium nahtlos in die Haut der Kundry und stellte die Zerrissenheit der Figur äußerst differenziert dar.

Den Wechsel zwischen gedemütigtem Opfer und raffiniert kalkulierender Verführerin gelang ihr vorbildlich. Und stimmlich blieb sie den Anforderungen der Partie nichts schuldig. Mit Ausnahme der Textverständlichkeit, die allerdings bei allen Sängern zu wünschen übrig ließ.

Beim Parsifal Gary Bachlunds war dies noch der kleinste Mangel. Bachlund, der schon vor zwei Jahren als Siegmund und unlängst als Erik im „Fliegenden Holländer” wenig überzeugen konnte, fiel mit seinem unruhig geführten, engen und rauen Tenor deutlich gegenüber seiner Partnerin ab.

Thomas Jesatko, der im Sommer auch in Bayreuth den Klingsor singen wird, ließ einen klaren, gesunden Bariton hören, der allerdings sehr brav und nur wenig hintergründig wirkte. Problematisch das unheimliche Sextett der Blumenmädchen, das sich noch nicht zu einem homogenen Ensemble finden wollte, passabel die Leistungen der Damen des Opernchores und des Extrachors.

Zwischen den „Parsifal”-Blöcken postierte Bosch noch die halbstündige Symphonische Dichtung „L´Ascension” von Olivier Messiaen. Vier Orchesterstudien, die dem Klanggespür Boschs entgegenkommen und in ihrer Leuchtkraft ein imponierendes Zeugnis der derzeitigen Spielkultur des Aachener Orchesters ablegen. Ein Sonderlob für die butterweich tönenden Blechbläser.

Viel Beifall für ein interessantes Programm zur Karwoche.