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Monschau: Mit Mozarts „Zauberflöte” ein weiterer Höhepunkt

Monschau : Mit Mozarts „Zauberflöte” ein weiterer Höhepunkt

Selbst unter den vielen Sternen am Opernhimmel funkelt Mozarts 1791 uraufgeführtes „Deutsches Singspiel” mit dem Titel „Die Zauberflöte” heller als tausend Sonnen.

Sicherlich ein elementares Stück Musiktheater, ist das Werk anderseits ein Mysterienspiel, dessen zentrale Handlungsachse sich um freimaurerische Tugenden wie Erkenntnis, Tugend und Brüderlichkeit dreht. Dargeboten von bulgarischen Sänger und Instrumentalisten sowie Festival-Star Andrea Hörkens in der Rolle der Pamina, liess die Produktion der Open-Air-Klassik auf Burg Monschau diese Momente glänzen.

Dass die Inszenierung von Regisseurin Nadia Christo in der zweimal nahezu ausverkauften Arena mit ihren 1498 Sitzplätzen auf zwei Tribünen größtenteils überzeugte, liegt in ihrem Mut zu großen Bildern.

Die sind nicht nur im Aufwand der Ausstattung (Rada Hadzhiyska) begründet. Wenn zum Beispiel Sarastro von seinen Priestern umringt wird und in einem imaginären Ägypten mit „O Isis und Osiris” die Tugendhaftigkeit des Helden Tamino im Chor preist, strahlt die Aufführung den geistigen Magnetismus großer Musik aus.

Diesen Kraftquell förderten schon die Mitglieder des Sinfonie-Orchesters von Plowdiw unter Leitung des aus Mailand stammenden Dirigenten Diego Crovetti zu Tage. Ihre Ouvertüre war ein richtiges Stück Theatermusik, passagenweise schmissig, aber auch von starken lyrischen Akzenten getragen. Mit einem ersten Szenenapplaus nahm das Publikum kurz darauf Taminos (Georgi Sultanow) Arie „Dies Bildnis ist bezaubernd schön” auf.

Das Charisma des Guten und Schönen wurde wirksam von Dessislava Stefanova in der Rolle der Königin der Nacht konterkariert: Von Maestro Crovetti und den Orchestermusikern engagiert begleitet, durchloderte ihre Auftrittsarie „Der Hölle Rache brennt in meinem Herzen” ein infernalisches Feuer; die Stimme der Sängerin bewegte sich auch in den Spitzentönen bemerkenswert sicher.

Doch der erklärte Liebling des Publikums war die Sopranistin Andrea Hörkens. Zur Ausstrahlung und stimmlichen Brillanz vermittelte die Künstlerin aus Mönchengladbach in ihrer Interpretation der Pamina Edelmut und Eleganz.

Mit dem voluminös und warm tönenden Bass des Österreichers Robert Holzer (Sarastro) stand ihr ein ebenbürtiger Kollege zur Seite. Doch Holzer spielte das an der Stirn applizierte Mikrofon zumindest am Freitag einen bösen Streich: Mal ließ es ihn klingen (will sagen: krächzen) wie ein altes Radio, mal fiel es einfach ganz aus.

Doch Holzer meisterte diese Misslichkeit souverän: Wo die Technik versagte, füllte er den Spielraum der Burg elektronisch unverstellt mit dem natürlichen Klang seiner Stimme. Gut besetzt war auch das komische Fach. Vor allem Bariton Svilen Nikolov als Papageno gab einen herrlichen witzigen Naturburschen.

Daniela Karaivanova als Papagena: burschikos, frech und auf völlig ungekünstelte Art erotisch. Insgesamt ein wunderschöner und würdiger Abschluss des Klassikfestivals auf Burg Monschau. Verdienter Beifall...