1. Kultur

Koblenz: Mit Herz, Seele und Stimme im Einsatz für die Fans

Koblenz : Mit Herz, Seele und Stimme im Einsatz für die Fans

Der Mond lässt seine schmale Sichel über der Schlossstraße leuchten, und 40.000 Menschen singen: „Ich bin dein siebter Sinn, dein doppelter Boden, dein zweites Gesicht”.

Ergriffen stehen sie da, den Blick zur Bühne gewandt, die wie ein gigantisches, blau leuchtendes Raumschiff vor dem Kurfürstlichen Schloss aufragt. Aus der Entfernung betrachtet, ist der Mann, der ganz in Schwarz gekleidet auf dieser Bühne steht und singt, nur streichholzklein, genauso winzig wie die 16 Musiker, die ihn umgeben.

Aber die Wirkung von Herbert Grönemeyer ist überwältigend. Er hat die Massen das Menschsein gelehrt - auf einer Tour, die bislang mehr als 1,5 Millionen Besucher verzeichnen konnte. Sechs Open-Air-Konzertzugaben packte der 48-jährige Ausnahmemusiker im Juni noch drauf und ermöglichte seinen Fans damit, noch einmal „Alles Gute von Gestern bis Mensch” live zu erleben.

Beim 45-Minuten-Support der „Sportfreunde Stiller” wirkt das weiträumig abgesperrte Areal rund um die einstige Residenz noch wie eine lockere Campus-Landschaft. Als um 20.10 Uhr das Dach des Schlosses scheinbar zu schwelen beginnt und die ersten Töne von „Blick zurück” erklingen, hat sich das Bild völlig verändert: Dicht an dicht stehen die Menschen vor der Bühne, über den Rasen hinweg, bis zur nächsten Querstraße. Zweieinhalb Stunden lang dauert das Konzert, und es ist rundum großartig. Stimmungsvoller kann ein Sommeranfang nicht sein.

Die Bühnenshow mit Flammenspalier, Wohnsilos, pulsierenden Spinnennetzen oder Projektionen von Kerzen, die langsam herunter brennen, ist so konzipiert, dass sie auch auf die Entfernung und trotz der Helligkeit noch phänomenal wirkt. Herbert Grönemeyer gibt wieder einmal alles: Er reißt sich das Herz auf, die Seele und die Stimme, klingt rau, schmelzend oder ironisch, mimt die Opern-Diva, den Dirigenten und bellt im kratzigen Vibrato ein Lob für seine Fans hinaus.

Mitsingen können sie jedes Stück: „Neuland”, „Lache, wenn es zum Weinen nicht reicht” oder „Ich dreh mich um Dich” und die alten Hits - „Bochum”, „Männer”, „Alkohol” - bekommen sie auch im Alleingang hin. Bei „Der Weg”, Herbert Grönemeyers Liebeserklärung an seine verstorbene Frau, herrscht Andachtsstille, „Mensch” kommt im locker-leichten Gewand daher, und bei „Flugzeuge im Bauch” erstrahlt ein Meer von Wunderkerzen, nur noch übertroffen vom Glitzer-Konfetti, das bei „Mambo” herniederregnet.

Zugabe folgt auf Zugabe, so als gäbe es kein Ende. Hoffnung für Grönemeyer-Fans: Das Konzert am 7. Januar 2005 in der neu eröffneten Multifunktionsarena Düsseldorf war zwar nach einer Woche komplett ausverkauft, aber es gibt einen Zusatztermin, am gleichen Ort.

Für das Konzert am Samstag, 8. Januar sind noch Karten in allen Zweigstellen unserer Zeitung erhältlich. Info: 0241/5101175 und 0241/5101192.