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Köln: Mit Dionysos & Co. Maßstäbe gesetzt

Köln : Mit Dionysos & Co. Maßstäbe gesetzt

Am 4. März 1974, als der große Bau über dem Dionysos-Mosaik mit seinem offenen Rundgang und den großen Fenstern im Erdgeschoss eröffnet wurde, waren die Zeiten noch rosig.

„Wir hatten sieben Tage die Woche geöffnet, täglich von 10 bis 20 Uhr”, erinnert sich Direktor Hansgerd Hellenkemper, der 1974 als Assistent von Museums-Erfinder Hugo Borger von Bonn nach Köln kam, „heute nur noch halb so lang”.

Verkürzte Öffnungszeiten und Personalabbau waren damals noch nicht in Sicht. Heute muss das Römisch-Germanische Museum mit vier Archäologen auskommen, während etwa die Archäologische Staatssammlung München mehr als 20 solcher Wissenschaftler beschäftigt. Erwachsene zahlten 50, Schüler und Studenten 20 Pfennig Eintritt.

Die Bilanz, die Hellenkemper nach 30 Jahren ziehen kann, ist trotzdem beachtlich: „Wir sind das Haus, das von allen Städtischen Museen in den letzten 30 Jahren das meiste Geld eingespielt hat.”

Weit über 15.000 Objekte sind auf einer Gesamtfläche von 6000 Quadratmetern ausgestellt, in drei Dekaden kamen fast 17 Millionen Besucher. „Zählt man die Sonderveranstaltungen mit, sogar knapp 20 Millionen.”

Wie alle (städtischen) Kölner Museen muss auch das Römisch-Germanische Museum seit zehn Jahren selbst sehen, wie Ausstellungen vorfinanziert werden können, und hat aus der Not eine Tugend gemacht: „Wir versuchen, mit ,Low-Budget Akzente zu setzen, recyceln, wo immer es geht, ohne, dass der Besucher es merkt.”

In den 30 Jahren - in denen erst eine Vitrinenscheibe zu Bruch gegangen ist, und zwar kurz nach der Eröffnung -, habe man zwar Abstriche machen müssen, aber auch Maßstäbe gesetzt: „So wurden die kleinen, nummerierten Plexiglaswürfel, mit denen wir die Querverbindungen unter den Stücken aufweisen, ebenso wie die Sockel-Inseln, weltweit kopiert.”

Zudem habe man eine Umkehr der Präsentation vorgenommen: „Vorher stapelte man in archäologischen Museen die Steine grundsätzlich fein säuberlich an der Wand und stellte die Vitrinen mitten in den Raum. Bei uns ist es genau anders herum.”

Als eines der wenigen Häuser beschriftet das Museum seine Exponate in drei Sprachen. Die großen Scheiben bieten Einblicke in ein offenes Haus, in dem versucht wird, die Geschichte des antiken Mittelmeerraumes und des nordwestlichen Römischen Reiches nicht nur darzustellen, sondern auch zu erzählen: „Fulminanten Anteil daran, dass das gelingt, hat unser Museumsdienst.”

Bald neuer Garten

Augenzwinkernd erinnerte sich Hansgerd Hellenkemper daran, wie er und die jüngeren Mitarbei ter am Vorabend der Eröffnung ohne Schuhe, aber dafür mit Champagner, auf dem Dionysosmosaik feierten, wie ein wasserdurchlässiges Flachdach dafür sorgte, dass die antiken Statuen mit Regenschirmen ausgerüstet wurden oder in der Besucher-Bibliothek alle sechs Wochen die äußerst beliebten Asterix-Hefte ausgewechselt werden mussten: „Die waren noch schmutziger als Geldscheine.”

Für die Zukunft denkt man an neue Audio-Formen des Erzählens, im Innenhof soll ein römischer Garten erblühen. Daran, dass die Kölner selbst das Museum nicht annähernd so stark frequentieren wie das Umland, wird auch das nichts ändern. „Den Kölnern gehört das Museum”, erläutert Hellenkemper dieses Phänomen, „die gehen da erst rein, wenn sie Besuch aus Düsseldorf oder New York haben, und mal so richtig strunzen wollen.”

Römisch-Germanisches Museum, Köln, Roncalliplatz, 0221/22124438.

Geöffnet: Di.-So./feiertags 10-17 Uhr.

Öffentliche Führungen: So. 11.30 Uhr.

Eintritt: 4,30 Euro, erm. 2,70 Euro.

Im Museumsladen Verkauf von Literatur zur Antike, Museumspublikationen, Repliken, Nachbildungen römischer Gläser.