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Mit dämonischem Charme zu Weltruhm

Mit dämonischem Charme zu Weltruhm

New York. Er träumt davon, einmal einen Westernhelden zu spielen. Doch für Filmfreunde in aller Welt ist Anthony Hopkins der kannibalistische Psychopath Dr. Hannibal Lecter.

Dieser Darstellung im Thriller „Das Schweigen der Lämmer” (1991) verdankt er seinen Oscar, den Ritterschlag der britischen Königin und einen gewissen Seelenfrieden.

„Der Oscar hat mein Leben verändert, weil er mir meine Selbstzweifel nahm”, sagt der Schauspieler, der am 31. Dezember 65 Jahre alt wird.

Dabei hat Hopkins, der als Sohn eines Bäckers im Süden von Wales zur Welt kam und eigenen Berichten zufolge eine verkorkste Kindheit hatte, schon viele Glanzleistungen erbracht.

Er wurde von Sir Laurence Olivier in London entdeckt und gab 1968 als Richard Löwenherz in „Der Löwe im Winter” sein Filmdebüt. Am Broadway wurde er Anfang der 70er Jahre als Psychiater Martin Dysart in Peter Shaffers Drama „Equus” gefeiert.

Auch seine Filmrollen in David Lynchs „Der Elefantenmensch” (1979) und als Captain Bligh in Roger Donaldsons neuer Version von „Die Bounty” (1983) waren große Erfolge.

Doch erst der dämonische Charme und die eiskalten Augen seines Hannibal Lecter machten Sir Anthony zu einem der gefragtesten Hollywood-Darsteller.

Er drehte seitdem mit Francis Ford Coppola „Bram Stoker´s Dracula” (1992) und glänzte neben Emma Thompson als allzu perfekter Butler in James Ivorys „Was vom Tage übrig blieb” (1993).

Es folgte seine Interpretation des innerlich zerrissenen US- Präsidenten in Oliver Stones „Nixon” (1995).

In James Ivorys „Mein Mann Picasso” (1996) stellte er neben Julianne Moore überzeugend die Komplexität des Genies und notorischen Frauenhelden Picasso dar.

Nach der „Maske des Zorro” wagte er sich 1999 an das romantische Fantasymärchen „Rendezvous mit Joe Black”, um bald darauf erneut in die Rolle zu schlüpfen, die ihm auf den Leib geschrieben scheint, die des kultiviert-bestialischen Lecter in Ridley Scotts „Hannibal”.

Ob Hopkins dabei die eigene Erfahrung zu Gute kommt oder aber sein Talent, mühelos die unterschiedlichsten Charaktere zu spielen, bleibt offen. Fest steht, dass er als Jugendlicher schwer unter Versagensängsten litt und es fertig brachte, wochenlang kein Wort zu sprechen.

Ohne Schulabschluss arbeitete er sechs Monate in einer Stahlfabrik, bevor die Rettung kam. In seinem Geburtsort Port Talbot sah er Richard Burton in einem Jaguar vorbeifahren und beschloss: „So möchte ich auch sein.”

Wenig später belegte Hopkins Kurse am Welsh College of Music and Drama in Cardiff. Nach dem Wehrdienst schrieb er sich an der Royal Academy of Dramatic Arts ein und fristete sein Leben mit kleinen Engagements an Repertoire-Theatern, bis schließlich der Durchbruch kam.

„Ich habe ein Trauma aus meiner Zeit als junger Schauspieler, als ich tagelang nichts zu fressen hatte - dieses stechende Hungergefühl will ich nie wieder erleben”, sagte er später über seine Anfangsjahre.

Nach einer kaputten Ehe und einem überwundenen Alkoholproblem zog es Hopkins in die USA. Dort fand er seine zweite Frau, die acht Jahre jüngere Produktionssekretärin Jennifer Lynton, von der er sich in diesem Jahr nach 29 Jahren Ehe scheiden ließ.

Kürzlich schockierte der Hollywoodstar die Teilnehmer eines Treffens der Anonymen Alkoholiker (AA) in Malibu, als er erklärte: „Ich bin froh, Alkoholiker zu sein, das Narbengewebe, das ich über die Jahre hinweg entwickelt habe, ist jetzt meine Stärke und meine Kraft. Das Trinken war das größte Geschenk, das ich je bekommen habe”.