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Bonn: Mit Abberufung von Jacob wird Bundeskunsthalle enthauptet

Bonn : Mit Abberufung von Jacob wird Bundeskunsthalle enthauptet

Die renommierte Bundeskunsthalle in Bonn wird von einem noch ungeklärten Skandal um Missmanagement und unseriöses Finanzgebaren erschüttert. Die Abberufung des Museumsleiters Wenzel Jacob durch die Gesellschafterversammlung am Montag in Bonn war keine Überraschung mehr.

Mit der Ablösung des Chefs wurde die zu einem Mekka vieler Kunst- und Kulturfreunde gewordene Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (KAH) enthauptet. Jacob war von Anfang an der gewiefte Macher der vom Bund finanzierten und erfolgreichen Einrichtung - bis er jetzt über schnöde Finanzen stolperte.

Unter Jacobs Regie wurden seit Eröffnung der Bundeskunsthalle im Juni 1992 - das 15-jährige Jubiläum zog in diesen Tagen still und ohne Feier vorbei - auch international beachtete Ausstellungen präsentiert. An seiner künstlerischen Arbeit und vor allem an seinem diplomatischen Geschick bei schwierigen Verhandlungspartnern gab es keinen Zweifel.

Sein wunder Punkt wurde das Geschäftsgebaren, das von Rechnungsprüfern ins Visier genommen wurde. Die KAH wird vom Bund (und damit von Steuergeldern) finanziert - im Jahr etwa mit knapp 17 Millionen Euro.

Ein erster Warnschuss des benachbarten Bundesrechnungshofs war im Umkreis von Jacob noch abgetan worden. Ein umfassender Bericht förderte dann gravierende Verstöße in der Geschäftsführung mit verschwiegenen Defiziten - zwischen 2002 und 2006 summiert rund sechs Millionen Euro - aus Open-Air-Konzerten auf dem Museumsplatz zu Tage, die offenbar aus dem Budget der KHA beglichen wurden.

Dazu kamen teure Reisen oder Tausende von Freikarten. Weltstars wie Liza Minelli oder Paul Anka kamen kaum für ein Butterbrot nach Bonn - und Karten gab es genügend.

Nachdem schon der kaufmännische Geschäftsführer Wilfried Gatzweiler in die Wüste geschickt wurde, zog sich auch der Strick um den schon von seinem Amt freigestellten Jacob immer enger. Offensichtlich gelang es ihm auch nicht, die im Raum stehenden Vorwürfe vor den Kontrollgremien des Hauses auszuräumen. Weiteres Abwarten hätte wohl auch dem Image des Hauses noch mehr geschadet.

Während Jacob öffentlich zu den Vorwürfen schwieg, wehrte sich Gatzweiler. Die Bundeskunsthalle habe ihr komplettes Programm, einschließlich der Konzerte, über die Bundeszuschüsse hinaus mit selbst erwirtschafteten Mitteln gedeckt. Zugleich schoss er gegen Jacob: „Wenzel Jacob und ich lieben uns nicht.” Er schätze seine künstlerische Kompetenz, Kritik an seiner Dienstausübung sei aber angebracht. Seine „stark egozentrierte Persönlichkeitsentfaltung” belaste das gesamte Umfeld.

Der Kunsthistoriker Jacob gehörte schon 1989 zum Gründungsstab für die geplante Ausstellungshalle mit den markanten drei bunten Lichttürmen. Unter dem Gründungsintendanten und anerkannten Museumsmann Pontus Hultén wurde er 1990 Geschäftsführender Direktor, bevor er später auch dessen Intendanten-Titel übernahm. Bei Eröffnungen sonnte sich Jacobs neben gekrönten Staatsoberhäuptern und Regierungschefs sowie Künstlerpersönlichkeiten.

Die Palette der von ihm organisierten Ausstellungen reichte von Tutanchamun und die Azteken über Schätze aus dem Kreml und dem Vatikan bis zu spektakulären Malerei-Schauen wie zuletzt aus der Guggenheim Collection. Mit rund 13 Millionen Besuchern erwies sich die Bundeskunsthalle in 15 Jahren als Besuchermagnet und als eines der bestbesuchten Häuser in Deutschland.

Der Frage, wer denn nun letztlich für das Finanzgebaren der Bundeskunsthalle entscheidend war und womöglich Fehler machte, müssen vielleicht sogar Richter nachgehen.

Der Fall beschäftigt wegen möglicher strafrechtlicher Relevanz wie Untreue oder Vorteilsgewährung inzwischen auch die Staatsanwaltschaft. Der Ausstellungsbetrieb soll aber ungeachtet der Affäre unter dem neuen Schweizer Interims-Intendanten Christoph Vitali „auf hohem Niveau” weitergehen.
2007-06-25 17:06:05