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Aachen: Missio feiert 175-jähriges Bestehen: „Wir sind selbst Beschenkte”

Aachen : Missio feiert 175-jähriges Bestehen: „Wir sind selbst Beschenkte”

1832 gründete der Aachener Arzt Heinrich Hahn den Franziskus-Xaverius-Verein, der heute den Namen „Missio” trägt. Missio Aachen gehört zu den hundert päpstlichen Missionswerken weltweit und bildet gemeinsam mit Missio München das Internationale Katholische Missionswerk in Deutschland.

175 Jahre Missio galt es an diesem Wochenende also zu feiern - mit einem Tag der offenen Tür am Samstag und einem Festakt am Sonntag im Krönungssaal des Aachener Rathauses, dem ein Pontifikalamt im Dom, zelebriert von Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg, voraus ging.

In 175 Jahren hat sich bei Missio eine vielfältige, internationale Aktivität herausgebildet, von der Gründer Hahn niemals zu träumen gewagt hat. Die Fernsehmoderatorin Gundula Gause übernahm gestern gemeinsam mit vielen Gästen aus der weltweiten Missionsarbeit die Aufgabe, diese vorzustellen.

Beeindruckend die Arbeit von Bischof Wenceslao Padilla, der in 15 Jahren eine kleine, aber feine christliche Gemeinde von 410 Mitgliedern in der Mongolei aufbaute. Das Besondere: Bevor er kam, gab es nicht einen Christen in dem ehemaligen sowjetischen Satellitenstaat. Er ist auch der Mann, der der neuen Missio-Kampagne zum Weltmissionsmonat Oktober sein Gesicht leiht.

Erschütternd der Bericht von Paride Taban. Der emeritierte Bischof aus dem Sudan baut dort seit 2005 ein Friedensdorf auf. „Heute leben bereits 81 Menschen dort, die sich vorher als Feinde bezeichneten”, erzählte Taban. Der Nuntius des Vatikans in Deutschland, Erzbischof Erwin Josef Ender, ließ keinen Zweifel an der Notwendigkeit einer präsenten Kirche in dem vom jahrzehntelangen Bürgerkrieg erschütterten Land: „Die Kirche ist die einzige Instanz, die den Mut hat, den Mächtigen zu widersprechen.”

Aufrüttelnd die Worte von Bischof Anthony Packianathan aus Indien, der als einer der wenigen Priester zur Kaste der Dalits (Unberührbare) gehört: „Wir werden nicht gleich behandelt, auch nicht in der Kirche.” In ihrem Kampf um Gleichberechtigung würden die Dalits von „Missio” unterstützt - etwa durch Ausbildungsprogramme, die einen Schwerpunkt des Missionswerks bilden.

Zu Wort kamen aber auch einige der 350.000 Mitglieder von „Missio” in Deutschland. Zum Beispiel Hermann Reeh, der nicht nur der Schutzengelaktion gegen Kinderprostitution sein eigenes Gesicht leiht, sondern jede Gelegenheit wahrnimmt, andere zu motivieren, auch ihr Konterfei für die „Missio”-Aktion zur Verfügung zu stellen. Im Krönungssaal des Aachener Rathauses hat er sich die nächsten Ziele gesteckt: die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz, die CDU-Landtagsfraktion in Düsseldorf und den Aachener Stadtrat.

„Engerer Dialog”

Bei der letzten Gruppe dürfte er Unterstützung von Bürgermeisterin Hilde Scheidt bekommen, die selbst dazu aufrief, die Aachener Missionswerke - Missio, Misereor und das Kindermissionswerk - auch in Aachen stärker wahrzunehmen. „Wir sollten den engeren Dialog suchen und die Arbeit besonders an jüngere Menschen herantragen. Denn Aachen ist stolz auf diese Werke.”

Doch Missio versteht Mission nicht als Einbahnstraße: „Wir können gerade spirituell sehr viel von der Weltkirche lernen”, erklärte Pater Eric Englert, Präsident von Missio München. Und Pater Hermann Schalück, Präsident von Missio Aachen betonte: „Wir sind selbst Beschenkte.”