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Frankfurt/Main: „Mir war, als stiege ich zum Himmel”

Frankfurt/Main : „Mir war, als stiege ich zum Himmel”

Gleich zwei Ausstellungen beschäftigen sich in Frankfurt mit dem einst verfemten und heute überaus beliebten Maler Marc Chagall.

Vor sechs Jahrzehnten galt sein Werk als Inbegriff „entarteter Kunst”. So nähert sich die größere der beiden Ausstellungen dem Maler denn auch von der politischen Seite: Mit dem Titel „Verehrt und verfemt - Chagall im Deutschland” hat das Jüdische Museum seinen Blickwinkel beschrieben.

Das Ikonen-Museum wählte indes eine kunsthistorische Perspektive: „Als Chagall das Fliegen lernte - Von der Ikone zur Avantgarde” leitet Chagalls Motive aus der russischen Volkskunst her.

Die Bilder und Grafiken stammen aus Kunstmuseen in aller Welt. Die Schau „Verehrt und Verfemt” umfasst 140 Werke. Als „komplizierte, ein Leben lang andauernde Wechselbeziehung” beschreibt Kuratorin Annette Weber das Verhältnis zwischen dem 1887 in Russland geborenen jüdischen Maler und Deutschland.

1913 kam Chagall erstmals nach Berlin, Anfang der 20er Jahre war die Stadt sein Lebensmittelpunkt, bevor er sich endgültig in Paris niederließ. Vor den Nationalsozialisten floh er nach Amerika, kehrte aber nach dem Krieg nach Frankreich zurück, wo er 1985 starb.

Die Rezeption Chagalls in Deutschland von 1913 bis heute verlaufe in Wellen, sagt Kuratorin Annette Weber. Bis 1933 war Chagall zwar nicht sehr bekannt, bei Kennern aber dennoch sehr angesehen.

Die Nazis verdammten den Künstler. Der Maler selbst reagierte auf die Herabwürdigung seiner Arbeit mit Bildern, die um das Thema Leid, Qual und Schuld kreisen. Dafür wählte er christliche Motive wie die Kreuzigung Jesu als Symbol für das Leiden.

Das Ikonen-Museum versucht, die Einflüsse russischer Volkskunst auf sein Werk aufzuspüren. Eine Spur führt zu den so genannten „Lubki”, populären Druckgrafiken mit Motiven wie durch die Lüfte schwebenden Menschen, Vogelfrauen und tanzenden Tieren.

Nicht nur die Motive der Bilderbögen aus dem zaristischen Russland, auch ihre leuchtende Farbigkeit regte Chagall an. „Mir war, als stiege ich zum Himmel”, schrieb der Maler über seine Eindrücke beim Betrachten der „Lubki”. So lernte Chagall das Fliegen.

Jüdisches Museum Frankfurt, Untermainkai 14-15: „Verehrt und verfemt - Chagall im Deutschland”, 2. Februar bis 18. April, Di.-So. 10-17 Uhr, Mi. 10-20 Uhr, Katalog 20 Euro, Eintritt 7 Euro, erm. 4 Euro.

Ikonen-Museum Frankfurt, Brückenstraße 3-7: „Als Chagall das Fliegen lernte - Von der Ikone zur Avantgarde”, 31. Januar bis 25. April, Di.-So. 10-17.00 Uhr, Mi. 10-20 Uhr, Katalog 33 Euro, Eintritt 2,5o Euro, erm. 1,50 Euro.