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Frankfurt/Düsseldorf: Mindestens 17 Suizide in NRW-Gefängnissen

Frankfurt/Düsseldorf : Mindestens 17 Suizide in NRW-Gefängnissen

Im Jahr 2008 hat es bisher 17 Suizide in den nordrhein-westfälischen Gefängnissen gegeben. Bei weiteren vier verstorbenen Häftlingen sei die Todesursache unklar, sagte ein Sprecher des Düsseldorfer Justizministeriums am Dienstag in Düsseldorf.

In den beiden Vorjahren waren 12 und 13 Suizide in Haft gezählt worden. Die „Frankfurter Rundschau” (Dienstagausgabe) hatte über einen Anstieg der Freitode hinter Gittern in NRW berichtet. Experten forderten erneut mehr psychologische Betreuung für die Insassen. „Die Unterversorgung in den Gefängnissen ist erschreckend”, sagte der Gefängnispsychologe Patrick Hamm der Zeitung. In keinem anderen sozialen Bereich herrsche so großer Mangel an psychologischen Ansprechpartnern und Hilfen. Dabei hätten Häftlinge so viele emotionale Probleme wie keine andere Personengruppe, so Hamm gegenüber der „FR”.

Gerade vor Weihnachten, warnte auch der Bund der Strafvollzugsbediensteten Deutschland, sei die Stimmung unter den Gefangenen getrübt. „An Heiligabend haben selbst die härtesten Knackis Tränen in den Augen”, sagte der Landesvorsitzende des Bundes, Klaus Jäkel, dem Blatt. Für ihn fehlen in Gefängnissen demnach die Ansprechpersonen: „Wenn wir mehr Beamte hätten, bliebe auch mehr Zeit für ein Gespräch.”

Ein Sprecher des Justizministeriums wies die Vorwürfe zurück. Es gebe in den NRW-Haftanstalten ein „engmaschiges Betreuungsnetz”. Man habe es allerdings in den Gefängnissen mit einer „immer schwierigeren Klientel zu tun”, so der Sprecher. Letztlich könne man einen zum Suizid entschlossenen Menschen nicht von seinem Vorhaben abbringen. Bei der Zahl der Suizide gebe es „Wellenbewegungen”. 1997 seien es sogar 27 Selbstmorde in den Gefängnissen gewesen.