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Bonn: Millionärssohn will Erbe der vermissten Eltern

Bonn : Millionärssohn will Erbe der vermissten Eltern

Das Schicksal des seit elf Jahren verschwundenen Millionärsehepaars Doris und Winfried Hagen ist wahrscheinlich einer der spektakulärsten Kriminalfälle der jüngeren Bonner Geschichte - wenn es denn überhaupt ein Kriminalfall ist. Selbst das ist unklar, denn solange keine Leichen gefunden werden, handelt es sich lediglich um eine Vermisstensache.

Doch Oberstaatsanwalt Fred Apostel, der in diesem Fall ebenso intensiv wie erfolglos ermittelt hat, macht sich keine Illusionen: „Für mich wäre es höchst überraschend, wenn die Eheleute noch einmal wohlbehalten auftauchen würden.” Jetzt ist noch einmal Bewegung in den Fall gekommen.

Klaus Hagen, der Sohn des Ehepaars, hat beim Bonner Amtsgericht beantragt, seine Eltern offiziell für tot erklären zu lassen. Am 28. September läuft die Frist aus, die das Gericht nach dem Verschollenengesetz per öffentlichem Aushang gesetzt hat. Bis dahin müssen sich entweder die Hagens selbst gemeldet haben oder aber Zeugen, die glaubhaft belegen können, dass das Ehepaar noch lebt. Verstreicht die Frist, können die Vermissten für tot erklärt werden und Klaus Hagen sein Erbe in Höhe von geschätzten mehreren Millionen Euro antreten.

Doris und Winfried Hagen, damals 47 und 49 Jahre alt, wurden zuletzt am 13. Juli 1994 in ihrem Haus im Bonn gesehen. Am Abend dieses Tages sollen vor dem Anwesen der Hagens ein unbekannter roter Golf und ein Jeep gesehen worden sein. Erst am 16. August, also über einen Monat später, wurde das Paar von ihrem Sohn als vermisst gemeldet.

Winfried und Doris Hagen wollten mit ihrem Hund zu ihrer Yacht nach Workum in den Niederlanden fahren, sind dort allerdings nie angekommen. Reiseutensilien und persönliche Gegenstände befanden sich noch im Haus. Als das Haus von die Polizei durchsucht wurde, war es nach Angaben der Staatsanwaltschaft „klinisch rein”.

Auch nach dem Verschwinden der Hagens kam es zu mysteriösen Ereignissen. So ging am 2. September 1994 ein Anruf einer mit osteuropäischem Akzent sprechenden Frau auf dem Anrufbeantworter von Klaus Hagen ein. Diese Unbekannte erwähnte eine nicht eingehaltene Vereinbarung gegenüber einer russischen Firma, deren Mitarbeiter vergeblich in Warschau gewartet hätten. Darüber hinaus wurde die Begleichung von Kosten eingefordert. Die Mitteilung richtete sich an den Sohn der Familie und einen seiner Bekannten. Bis heute konnten weder die Identität der Anruferin noch der Hintergrund der Forderung aufgeklärt werden.

Wenige Tage später wurde der Rolls Royce von Klaus Hagen in der Werkstatt des Bekannten in Brand gesetzt. Auch dieser Fall ist bislang nicht aufgeklärt. Im Oktober 1994 meldete Klaus Hagen den dunkelblauen Audi seiner Eltern, den er inzwischen benutzte, während eines Kurzurlaubes in Budapest als gestohlen. Ob es zwischen den Vorkommnissen und dem Vermisstenfall Zusammenhänge gibt, bleibt unklar.

Früh schon rückte Klaus Hagen in das Visier der Ermittler, da er als Erbe vom Tod seiner Eltern profitieren würde. Gegen ihn und einen seiner Freunde wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, das allerdings 1999 wieder eingestellt wurde. Beiden Männern war nichts nachzuweisen.

Ludger Westrick, der Vermögensverwalter der Vermissten, hat seit Jahren die Rekordsumme von 511.000 Euro für Hinweise auf den Aufenthaltsort der Vermissten ausgesetzt. Bislang vergeblich. Oberstaatsanwalt Fred Apostel hofft noch, dass eventuelle Täter auch nach all den Jahren noch Fehler machen: „Wenn es tatsächlich Mord war, dann verjährt die Tat nicht.”