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Köln: Mehr als nur eine „Kölner Affäre”

Köln : Mehr als nur eine „Kölner Affäre”

„Liederabende und Abiturstücke”, so ein Programm habe sie nicht machen wollen, erklärte Kölns neue Schauspielintendantin Karin Beier am Montag bei ihrer Spielplanvorschau selbstbewusst. In der Tat weist das Mammut-Programm, das Beier und ihr Team ab Oktober stemmen wollen, eine ganz eigene, neue Handschrift auf - freier wird es hier werden, verspielter und wohl weniger „Stadttheater” denn je.

Oder mal ganz anders: Denn Köln spielt als Leitmotiv eine wesentliche Rolle in Beiers Spielplan. Ein „kölnspezifisches Profil” will die 41-Jährige, die nach Jahren an den großen Häusern etwa in Düsseldorf, Hamburg, Bochum, Zürich, Wien nun in ihre Heimatstadt zurückkehrt, den Bühnen geben. „Die Lebenswirklichkeiten dieser Stadt in ihrer ganzen Vielfalt spiegeln”, heißt es im Spielzeitbuch dazu, das im Übrigen per Bastelanleitung zum Einkleben der Programmhefte animiert.

Insgesamt 23 Premieren und diverse Gastspiele werden sich in unterschiedlichster Form mit der örtlichen Gemengelage auseinandersetzen - dazu gehört auch elementar die Beschäftigung mit einer seit jeher von Zuwanderern geprägten Gesellschaft, mit den Spannungsfeldern Fremdheit und Nähe, Anpassung und Abgrenzung. Ein urdeutsches Stück jedenfalls zeigt Karin Beier zum Auftakt mit Friedrich Hebbels Epos „Die Nibelungen” (ab Oktober).

Rezas und Hölderlin

Vier Mal inszeniert sie in dieser Spielzeit im Schauspielhaus selbst - Grillparzers Antiken-Tragödie „Das Goldene Vlies” etwa (April 2008) und Yasmina Rezas „Der Gott des Gemetzels” (Dezember 2007). Auch Beiers vielbeachtete letzte Burgtheater-Premiere, Shakespeares „Maß für Maß”, wird zu sehen sein. Zu den großen und nicht unbedingt pflegeleichten Klassikern im Programm zählt Friedrich Hölderlins „Tod des Empedokles” (Inszenierung von Laurent Chétouane im Februar 2008).

Ansonsten gibt es viel Neues zu entdecken: In der Halle Kalk wird Tom Kühnel mit „Fordlandia” an einen Streik türkischer Arbeiter 1973 bei den Ford-Werken erinnern (Oktober 2007). Für seine „Kölner Affäre” setzt der lettische Autor Alvis Hermanis Mitglieder des Ensembles auf die Spur von zwei beliebigen Kölnern, bis (ebenfalls in der Halle Kalk) aus dem dokumentarischen Stoff poetische Fiktion gereift ist (April 2008).

„Die Erscheinungen der Martha Rubin”, eine Theater performance des dänischen Künstlerduos Signa, wird spektakuläre „drei bis vier Tage” dauern. Feridun Zaimoglus „Schattenspiele” (Regie Jette Steckel, Januar 2008 in der Schlosserei) basieren auf Interviews mit illegalen Einwanderern. Neue Stücke, die Dokumentarisches und Fiktion verbinden; Theater, das beim Schauspiel Tanz oder Musik miteinbezieht; Aufführungen im Hotel („Room Service”) oder in einem Lastwagen („Cargo Sofia - Köln”): Dieses Programm will Grenzen überschreiten.

Weltoffenheit spiegelt auch das internationale, zu zwei Dritteln neu besetzte Ensemble. Zu den 34 Schauspielern gehören auch Prominente wie Joachim Król, Maria Schrader, Hilmi Sözer und Tilo Nest.