1. Kultur

Maastricht: „Medizinisch” untersuchte Kunstwerke

Maastricht : „Medizinisch” untersuchte Kunstwerke

Wohlbetucht waren die Herren von Burgund im 15. Jahrhundert am Hof von Karl dem Kühnen und seiner Gattin Isabella. Infolge der bedrängten Lage Frankreichs im hundertjährigen Krieg hatten die Burgunder in den heutigen Benelux-Staaten und Ostfrankreich ein blühendes Reich geschaffen.

Ein Reichtum, der der sich auch nach dem Tod der Burgunder zeigte. Das Bonne-fantenmuseum Maastricht zeigt bis zum 16. September die Ausstellung „From Vulcans Forge” - „Aus Vulkans Esse” - mit Bronzestatuen aus drei Jahrhunderten. Höhepunkt der Ausstellung sind acht 55 Zentimeter hohe Grabfiguren der Isabella von Burgund (1436-1465) aus den Beständen des Rijksmuseums Amsterdam.

Die Exposition, die vorher in Wien und London zu sehen war, ist der erste Schritt in eine intensive Zusammenarbeit beider Museen. In den kommenden fünf Jahren sind immer wieder Ausstellungen mit Amsterdamer Kunstschätzen im „Rijksmuseum Maastricht”, so der Name der Aktion, geplant.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf der südniederländischen Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts. Hat die Aktion Erfolg, wird sie sogar auf zehn Jahre ausgedehnt, verspricht der Direktor des Rijksmuseums Ronald de Leeuw.

Aber es geht nicht nur um Kunstexport, es geht auch um Forschung. In den kommenden Jahren werden Wissenschaftler aus Amsterdam in Maastricht zugegen sein, um an dortigen Exponaten zu forschen und mit den Maas-trichter Kollegen Ergebnisse auszutauschen.

Legende entlarvt

So wurden die Bronzefiguren mit Methoden aus der medizinischen Forschung einmal gründlich durchleuchtet, sodass manche liebgewordene Legende als ebensolche entlarvt wurde. Mit Hilfe der Neutronenradiographie haben sich die Amsterdamer das Innenleben des „schreitenden Edelmanns” (Süddeutschland, um 1610) einmal vorgenommen und dabei festgestellt, dass es nicht der holländische Dynastiegründer und Nationalheld Wilhelm von Oranien sein kann, wie lange behauptet wurde. Der Torso war ursprünglich ein Gambenspieler, dem später neue Gliedmaßen angelötet wurden.

Der Edelmann ist Bestandteil der liebenswert gestalteten Ausstellung, in der auch Werke bekannter Künstler aus Italien, den Niederlanden und Deutschland zu sehen sind. Adriaen de Vries (um 1550-1626), Schöpfer der Augsburger Merkur- und Herkulesbrunnen, ist mit dem Relief „Bacchus findet Ariadne auf Naxos zu sehen. Auch Hendrick de Keyser (1565-1621) und Giambologna (1529-1608), der Hofbildhauer der Medici, sind vertreten.

Enorm detailreich

Die Grabfiguren der Isabella von Burgund wirken nicht traurig, sondern neutral. Sie zeigen ihre Familie und ihre Ahnen und betten sie so in die Geschlechterfolge ein.

Mit ihrem enormen Detailreichtum wirken sie fast schon lebendig und geben dem Betrachter einen guten Einblick in die zeitgenössische Mode und den zeitgenössischen Reichtum. Albrecht von Bayern (1336-1404) wirkt mit seinem zylinderformigen Hut fast schon modern. Solche Hüte kamen in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in die Mode.

Provinziell ist, dass der ausgezeichnete Ausstellungskatalog nur in niederländischer und englischer Sprache erschienen ist. Für eine deutsche und französische Ausgabe fehlte leider das Geld. Allerdings verspricht der Maastrichter Museumsdirektor Alexander van Gravenstein sich für die geplanten Ausstellungen zur Malerei auch um deutsche Kataloge zu bemühen.

Bonnefantenmuseum Maastricht, geöffnet Di.-So. 11-17 Uhr. Eintritt 7,50 Euro (Erwachsene) und 3,50 Euro (Jugendliche ab 13 Jahren). Kinder bis 13 haben freien Eintritt.

Dauer: bis 16. September.

Am 25. März und 22. April finden Ausstellungsführungen durch Konservator Lars Hendrikmann in niederländischer Sprache statt.

Anmeldung: mailto:reservations@bonnefanten.nl