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Aachen: Medikamente aus dem Acker

Aachen : Medikamente aus dem Acker

Unter maßgeblicher Aachener Beteiligung wollen 39 Forschergruppen aus elf europäischen Ländern sowie aus Südafrika mithilfe gentechnisch veränderter Pflanzen Pharmazeutika herstellen.

In den nächsten fünf Jahren sollen Medikamente und Impfstoffe gegen Aids, Diabetes, Tollwut und Tuberkulose produziert und in klinischen Versuchen getestet werden. Das von der EU mit mehr als zwölf Millionen Euro geförderte Projekt „Pharma Planta” wurde gestern zeitgleich in London, Rom und Aachen vorgestellt.

Organisatorischer Leiter des Vorhabens ist Professor Rainer Fischer, der sowohl dem hiesigen Fraunhofer Institut Molekularbiologie und Angewandte Ökologie (IME) wie dem RWTH-Institut für Molekulare Biotechnologie vorsteht. Wissenschaftlich koordiniert wird das Projekt von Prof. Julian Ma in London.

Wesentlich kostengünstiger

Bisher werden solche Medikamente und Impfstoffe aus gentechnisch veränderten menschlichen Zellen oder Bakterien hergestellt. Die Verfahren sind teuer, aufwändig und führen oft nur zu geringer Produktion. Arzneien aus Pflanzen lassen sich wesentlich kostengünstiger, schneller und in großen Mengen produzieren. „Vor allem geht es darum, gute und preiswerte Medikamente für Entwicklungsländer bereitzustellen”, sagte Dr. Stefan Schillberg vom Fraunhofer IME.

Eine der „größten Herausforderungen” bestehe zunächst darin, die günstigsten Pflanzenarten festzulegen. Bevorzugte Kandidaten sind Mais und Tabak. Schwierig wird es auch, eine Anbaufläche für die manipulierten Pflanzen zu finden. Angesichts der regelmäßigen Verwüstungen von Genpflanzen-Feldern durch militante Gegner jeglicher Gentechnik in Europa zieht man für den Anbau voraussichtlich Südafrika in Betracht.

Technische Proteine

Um Wirkstoffe aus Pflanzen zu gewinnen, werden in diese zunächst so genannte technische Proteine eingebracht, die dann in den Zellen der Pflanze als „Bauanleitung” die Produktion der gewünschten therapeutischen Wirkstoffe, ebenfalls Proteine, anregen. Solche Verfahren existieren bereits. In den USA wird nach Auskunft Schillbergs bereits in drei Jahren mit einem markreifen Produkt gerechnet.