Aachen: Matthias Goerne gastiert bei den Accordate-Kammermusiken in Aachen

Aachen : Matthias Goerne gastiert bei den Accordate-Kammermusiken in Aachen

Im letzten Sommer glänzte er als „Wozzeck“ bei den Salzburger Festspielen, tourte mit einem Bach-Programm durch die Lande und nahm ein Wagner-Recital auf. Fächergrenzen scheint der Bariton Matthias Goerne nicht zu kennen, der am 18. Februar im Rahmen der Accordate-Kammermusiken im Aachener Rathaus einer seiner vielen Leidenschaften frönen wird: seiner Liebe zum Liedgesang.

Als Interpret von Franz Schuberts spätem Zyklus „Die Winterreise“, den er von New York bis Japan unzählig oft gesungen hat, hat er es zu einer ähnlichen, fast schon kultischen Bekanntheit gebracht wie seinerzeit Dietrich Fischer-Dieskau.

Dass er solche stilistischen Spagate zwischen Wagner und Bach, Berg und Schubert unbeschadet übersteht, führt Goerne selbst auf die große Modulationsfähigkeit seiner Stimme zurück, die er so intelligent einsetzt, dass sich bisher keine ernsthaften stimmlichen Krisen eingestellt haben. Oper und Lied ergänzen sich nach Ansicht von Goerne, der 1967 in Weimar geboren wurde und mit dem Kunstlied zunächst durch Peter Schreier in Berührung kam, später aber auch im Westen bei Fischer-Dieskau und Elisabeth Schwarzkopf studierte.

Den auf Textverständlichkeit und eine melodisch runde Phrasierung gestützten Interpretationsansatz von Schreier schätzt Goerne ebenso wie die deklamatorisch pointierte Textauslegung Fischer-Dieskaus. Qualitäten, die gerade Schuberts besonders anspruchsvolle „Winterreise“ in hohem Maße einfordert.

Einen „Zyklus schauerlicher Lieder“ nannte Schubert sein letztes, im Todesjahr 1828 entstandenes Liederwerk. 24 Gesänge auf Texte von Wilhelm Müller führen uns in die Gefühlswelt eines von seiner Geliebten verlassenen jungen Mannes, der danach durch den gefühlskalten Winter des Lebens irrt, bevor er sich am Ende von einem armen, auf dem Eis wankenden Leiermann verstanden fühlt. Eine Figur, die vielfach deutbar ist. Dass Schubert in dem düsteren Werk jedoch seinen eigenen frühen Tod vorausahnte, entbehrt jeder Basis. Riss die Typhus-Epidemie doch den 31-jährigen Komponisten inmitten eines geradezu explosiven Schaffensrauschs völlig unvermittelt aus dem Leben.

Umso filigraner zeichnen Müller und in ganz besonderem Maße Schubert die emotional zwischen tiefster Verzweiflung und aufkeimenden Hoffnungsschimmern schwankenden Stationen dieser „Winterreise“, die jeden Sänger zu einer extrem differenzierten Auslegung der Texte und einer entsprechend modulationsreichen stimmlichen Darstellung herausfordert.

Matthias Goerne lässt sich auf dieses Abenteuer immer wieder gern ein, wobei er sich natürlich nicht auf die „Winterreise“ beschränken will. Von Schuberts etwa 600 Liedern hat er etliche bereits auf CD eingespielt und in ausgedehnten Tourneen auf der ganzen Welt gesungen. Ergänzt durch Opernproduktionen von New York bis Salzburg und Konzertauftritte mit allen berühmten Orchestern der Welt. Den nicht minder wichtigen und anspruchsvollen Klavierpart übernimmt im Aachener Krönungssaal der Dresdner Pianist Alexander Schmalcz, der seit vielen Jahren mit Goerne zusammenarbeitet und der für den Sänger auch einige Lieder Schuberts orchestrierte.

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