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Martin Schulz ist Spitzenkandidat

Martin Schulz ist Spitzenkandidat

Bochum (an-o/ap/dpa) - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat die Union eindringlich davor gewarnt, den Europawahlkampf für eine Kampagne gegen den EU-Beitritt der Türkei zu missbrauchen.

Die CDU/CSU wolle "aus innenpolitischem Opportunismus" eine "schäbige Kampagne" gegen die Türkei führen, sagte der Kanzler einen Tag vor dem mit Spannung erwarteten Parteitag in Bochum. Das Land am Bosporus habe eine Brückenfunktion zur islamischen Welt.

Die Europadelegierten der Partei wählten mit großer Mehrheit Martin Schulz (47), Würselen, zum Spitzenkandidaten. Schulz hatte im Sommer durch einen Schlagabtausch mit dem italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi für Furore gesorgt. Berlusconi hatte ihm in polemischer Weise eine Filmrolle als KZ-Aufseher angeboten. Daraufhin hatte Schröder seinen Urlaub in Italien abgesagt. Schulz erhielt 260 von 265 abgegebenen Stimmen. Er gehört dem Europaparlament bereits seit neun Jahren an.

Derzeit haben die SPD 35, die CDU 43, die CSU 10, die PDS 6 und die Grünen 5 deutsche Abgeordnete im Europaparlament.

Schröder warb in seiner Rede für ein Zusammenwachsen Europas. Die EU-Erweiterung berge die riesige Chance, Europa zu einem Ort dauerhaften Friedens und Wohlergehens zu machen. Diese "ungeheure Möglichkeit" gebe es bei nur "sehr kleinen" Risiken. "Die Erweiterung ist die große historische Chance", sagte der SPD-Chef. Die enge Abstimmung zwischen Deutschland und Frankreich sei dabei "die einzige Möglichkeit", für mehr Dynamik in Europa zu sorgen.