Aachen: Mark Twain entsteigt dem Grab

Aachen: Mark Twain entsteigt dem Grab

Das Aachener Theater K erinnert an einen großen Schriftsteller. Vor 100 Jahren starb Mark Twain. Schauspielerin Anush Manukian hat in Eigenregie eine Hommage in Szene gesetzt. Das Premierenpublikum applaudierte kräftig.

Kurze, klare Sätze hat der US- Amerikaner Mark Twain, geboren 1835 unter dem Namen Samuel Langhorne Clemens, aufgewachsen in bildungsfernen, ärmlichen Verhältnissen, zur Schriftstellerei gekommen über das Sprungbrett Journalismus, zu Weltruhm gelangt mit den Abenteuern des Tom Sawyer und des Huckleberry Finn, bei seiner Reise durchs Land der Dichter und Denker nicht entdecken können.

Diesem umständlichen Umstand verdankt die deutsche Nachwelt Twains Essay „The Awful German Language”.

Aus der schlagfertigen Abrechnung mit der „schrecklichen deutschen Sprache” macht Manukian zügige Stand-up-Comedy. Sie lässt Twain aus seinem Grab steigen, lässt sich in dessen Rolle quer durch die Zuschauerreihen ein Paket Bücher Richtung Bühnen-Himmel schicken und setzt an zu zwei amüsanten Lesestunden. Teil eins läuft wie am Schnürchen. Deutsche haben eben Humor, wenn sie Ausländer mit den Fallstricken ihrer eigenen Sprache um den Finger wickeln.

Erlebnisse eines Gauners

Nach der Pause greift Manukian dann gleich nach der ganzen Hand eines Zuschauers, um die Erlebnisse des Gauners Jim Smiley zu bebildern, der sich so lange ins Fäustchen lacht, bis er selbst ausgetrickst wird. Die Moral der in Öcher Mundart übersetzten Geschichte: Mitmachtheater ist eine Frage des Geschmacks. Gleiches gilt für das Ende des Abends, das den Zuschauer mit dem trostarmen Ende des Twainschen Lebensweges überfällt und ihn abrupt tief hinunterzuziehen versucht in die schwere See der Trauer.

Alles in allem gelingt Anush Manukian freilich eine mitreißende Hommage. „Die Nachrichten über meinen Tod sind stark übertrieben”, hat sie diese überschrieben. Um es kurz und klar zu schreiben: Mark Twain lebt. Und dieser Abend ist sehenswert. Von Tom Sawyer und Huck Finn ist dabei übrigens kaum die Rede.

Weitere Aufführungen gibt es im Theater K, Aachen, Ludwigsallee (Bastei), am 16, 23. und 30. November sowie am 14. und 26. Januar, jeweils um 20 Uhr. Infos und Karten unter 0241/151155.