1. Kultur

Köln: Mark Knopfler: Virtuoses Spiel im Überfluss

Köln : Mark Knopfler: Virtuoses Spiel im Überfluss

Es kommt alles recht beschaulich daher. Mystisch oft, fast meditativ. „Fish and the bird” ist erst der sechste Song. Und doch markiert er beinahe schon die Mitte des knapp zweistündigen Konzerts. Typisch für diesen Abend: Die 12.000 Zuschauer in der bestuhlten Kölnarena lehnen sich zurück. Sie genießen, sie entrücken. Einem Mark Knopfler gibt man sich gern hin. Das Scheinwerferlicht tränkt alles in Kaminrot, die Ballade plätschert in die Ohren.

Mancher wird an diesem Abend fragen, warum der Schotte mit „True love will never fade” nur einen Song seines jüngsten Albums „Kill to get crimson” (2007) spielt. Andere wiederum vermissen die rockigeren Oldies wie „Money for nothing”. Doch eines kann man dem Mann aus Glasgow nicht in Abrede stellen: Er zieht hier ein in sich schlüssiges Konzept durch. Das ist geprägt von Coolness und Können, von Puritanismus in der Präsentation, von musikalischer Perfektion und Virtuosität im Überfluss.

Während blinkende Strahler seine Soli unterstützen, lässt Knopfler im Bühnenhintergrund ein Rondell in Schräglage versetzten. Die Attrappe gleicht der Gitarre auf dem „Brothers in arms”-Cover und ist überdimensioniert. Dennoch wirkt sie dezent, keineswegs nach Bühnenshow, eher wie alles hier: spielerisch leicht.

Nach gut einer Stunde sorgt „Sultans of swing” für die ersten Standing Ovations. Wie nicht anders zu erwarten, bastelt Knopfler ein einzigartiges Solo zusammen. Wer will ihm im in der Improvisation eigentlich noch etwas vormachen? Die Frage sei auch für die Textpassagen erlaubt: „An old guitar is all” singt der einstige Kopf von Dire Straits und verschluckt mal eben „he can afford” - man muss nicht immer und überall Gleiches intonieren.

Ein wenig arg geizt der 58-Jährige dann mit Worten. Lediglich zur Vorstellung seiner Band wechselt er ein paar Nichtigkeiten mit den Fans. Die Band hat es in sich: Von den sechs Multi-Instrumentalisten sei hier nur mal John McCusker erwähnt, der mit seinem Flöten- und Fiddle-Spiel für kräftigsten Folk-Einschlag sorgt. Überhaupt kommt man in Versuchung, Knopfer verschollene US-Vorfahren zu unterstellen. So rau, wie er „Marbletown” anstimmt, könnte er sich den Ur-Urgroßvater mit Jonny Cash teilen.

Immer deutlicher hinterlässt die frühere Zusammenarbeit mit Country-Ikone Emmylou Harris ihre Spuren. Aber Knopfler baut die traditionellen Stile der Amerikaner so geschickt ein, dass man ihm auch kleine Schwächen verzeiht, wie beispielsweise die Ähnlichkeit von „Cannibals” mit „Walk of life”. Der letzte Ton von „Telegraph road” ist ein Startschuss für die eingefleischten Kenner. Sie stürmen an den Bühnenrand und zücken ihre Handys.

Bei „Brothers in arms” macht Knopfler mit dem Schütteln seines Zeigefingers deutlich, dass er keine Filmaufnahmen will. Tatsächlich kann man sich in den einschlägigen Internet-Portalen mittlerweile ganze Knopfler-Konzerte ansehen.