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Düsseldorf: Mario Adorf in: „Schauen Sie mal böse!”

Düsseldorf : Mario Adorf in: „Schauen Sie mal böse!”

Er selbst, befand Schauspiel-Star Mario Adorf einmal, sei wohl zeitlebens auf die Rolle als „sympathisches Schwein” festgelegt. Wie viele Gesichter der Ausnahme-Künstler wirklich hat, das dokumentiert in einer detailreichen Ausstellung mit hunderten Fotos, Plakaten, Kostümen und Filmausschnitten von Sonntag an pünktlich zum 75. Geburtstag Adorfs das Filmmuseum in Düsseldorf.

Für die bis 8. Januar 2006 nur am Rhein zu sehende Präsentation „Schauen Sie mal böse”, die zur Überraschung des Museums erste Adorf- Ausstellung, hat der Mime bereitwillig sein umfangreiches Privatarchiv geöffnet: Wer hätte je den kleinen Mario 1934 mit Pagenschnitt oder den damals in Italien lebenden Vater - von dem der Sohn unverkennbar seine markante Männlichkeit geerbt hat- im Bild gesehen?

Das Foto des in einem Waisenhaus im Eifelort Mayen aufgewachsenen Elfjährigen in der Uniform des NS-Jungvolkes gehört ebenso zur Adorf- Archäologie, wie bisher völlig unbekannte Aufnahmen seines ersten Auftritts auf einer Mainzer Studentenbühne in den 50er Jahren.

Lang war der Weg zum unzweifelhaft beliebtesten deutschen Schauspieler, der 1957 in „Nachts, wenn der Teufel kam” seinen großen Durchbruch auf der Leinwand feierte - und bereits auf ein Klischee festgelegt wurde: Den brutalen Mörder habe er „erschreckend und doch auf seltsame Weise anrührend” gespielt, heißt die Begründung seines ersten Filmpreises (1958), der mit „Bambi”, Filmbändern und Goldenen Kameras in Düsseldorf eine große Trophäen-Vitrine füllt.

Bei der langjährigen Theaterarbeit an den Kammerspielen in München, unter anderem unter der Regie August Everdings, entwickelte sich Adorf künstlerisch bis zum König Xerxes im Antiken-Drama „Die Perser” weiter. In einer italienischen Produktion verkörpert er erschreckend ähnlich den bulligen Diktator Mussolini, dreht Streifen gegen die Mafia („Milano Kaliber 9”), verirrt sich in billige Western, tötet 1963 Winnetous Schwester und erobert schließlich in der TV-Gesellschaftssatire „Kir Royal” (Regie: Helmut Dietl) als neu entdeckter Komödiant die Herzen aller Zuschauer. Die zahlreichen Zeitungsausschnitte als Belege des stetig steigenden Erfolgs hat Mutter Adorf voller Stolz über 40 Jahre gesammelt.

Fast private Aufnahmen zeigen Adorf bei Dreharbeiten mit Rainer Werner Fassbinder oder Günter Grass während der „Blechtrommel”- Verfilmung. Eine Porträt-Serie des Star-Fotografen Jim Rakete fängt an der Museumswand in nur wenigen Aufnahmen wohl am prägnantesten die vielen Gesichter des mittlerweile „gereiften” Mario Adorf ein: Er ist Gentleman und Halunke, Charmeur und Komiker in einer Person.