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Aachen: Mario Adorf: „Ich war nie sehr diplomatisch”

Aachen : Mario Adorf: „Ich war nie sehr diplomatisch”

In über 100 Filmen hat Mario Adorf so manches Abenteuer erlebt, das nicht unbedingt zum Drehbuch gehörte.

Er traf im Laufe seiner Karriere mit zahlreichen berühmten Kolleginnen und Kollegen von Brigitte Bardot bis Sir Alec Guinness zusammen, wurde von Regisseuren wie Volker Schlöndorff, Rainer Werner Fassbinder, Tom Toelle und Helmut Dietl engagiert, der ihn sogar als „Hagen” zu den Nibelungen Festspielen nach Worms holte.

Der Schauspieler, der in der Beliebtheitsskala des Publikums ganz oben rangiert, geboren 1930 in Zürich, aufgewachsen im Städtchen Mayen in der Eifel, kann eine Menge erzählen.

Und das tut er leidenschaftlich gern. Seit seinem Debüt 1992 mit dem Erzählband „Der Mausetöter” ist er auch als einfühlsamer und unterhaltsamer Autor bekannt.

Mit „Himmel und Erde” (angelehnt an das rheinische Gericht „Himmel un Äd” aus Äpfeln und Kartoffeln), einem autobiografisch geprägten Buch, das in Episoden den Entwicklungsjahren des Jungen zur Hitlerzeit, die Jungmännerzeit, erste Bühnenerfahrungen und schließlich die vielschichtigen Filmepisoden folgen lässt, gibt er einen tiefen Einblick in sein intensiv gelebtes Leben.

Seine Lese-Tournee führt ihn am Donnerstag, 6. Mai, in die Aachener Aula Carolina (Pontstraße, 20 Uhr).

„Gelernt habe ich das Schreiben ja eigentlich nicht, aber es hat mir immer Freude gemacht, und ich setze mich selbst niemals unter Druck, höchstens ein bisschen, wenn der Abgabetermin sich nähert”, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. „Diesmal ist nichts erfunden, so ein Buch gibt es ja schon von mir. Man spart höchstens mal ein paar Dinge aus.” Im Bereich der Literatur trifft er - wie so häufig in seinem Leben - die Entscheidung emotional.

Immer wählerisch

„Bestsellerlisten haben für mich nichts Verlockendes. Ich sehe nicht ein, warum ich da Bücher abarbeiten soll.” Viel reizvoller ist es für ihn, Werke von Menschen zu lesen, die ihn persönlich berühren. „Ich habe neulich Imre Kertéz kennen gelernt und war tief beeindruckt. Von ihm lese ich zurzeit etwas.”

In seinem Buch erzählt Adorf witzige und besinnliche Episoden, erwähnt aber bei weitem nicht alle Highlights seiner Karriere. „Wichtig ist nicht die Erfolgsgeschichte, sondern das gelebte Leben.”

Adorf, der die Stadt Rom als Wohnsitz gewählt hat, kann rückblickend sagen: „Ich war nie der große Held, aber ein Typ mit außergewöhnlichen Eigenschaften. Selbst in Zeiten, als ich Geld brauchte, war ich ganz schön wählerisch, und ich war mit Sicherheit nicht immer besonders diplomatisch.” Stand für ihn (zum Beispiel im „Paten”) fest: „Das ist keine Rolle für mich”, konnten ihn selbst Gagen und Namen nicht locken.

Die gegenwärtige Kinolandschaft erscheint ihm eher mager. „Da ist nichts, was mich wirklich fasziniert. Der Kinofilm ,Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran mit Omar Sharif ist ganz gut”, meint er nach einigem Nachdenken. „Auch ,Der letzte Samurai mit Tom Cruise ist ein erstaunlich guter Film für so einen schönen Mann.”

Zum ARD-Zweiteiler „Die Rückkehr des Tanzlehrers” nach Henning Mankells Roman hatte man Mario Adorf übrigens die Hauptrolle angeboten, die nun Maximilian Schell spielte. „Es hat mir nicht gefallen, dass es eine nur deutsch-österreichische Produktion war. Ein Film über Nazi-Deutschland sollte international geprägt sein.”

In einigen Stücken des Franzosen Eric-Emmanuel Schmitt stand Adorf inzwischen auf der Bühne unter anderem als grantiger Abel Znorko in „Enigma”. „Volker Schlöndorff will die Handlung verfilmen, das reizt mich natürlich sehr, ein gescheiter Autor und ein spannender Stoff.”

Die kürzlich erfolgte EU-Erweiterung sieht er mit Freude. „Ich war ein Europäer der ersten Stunde, da sprach noch keiner davon. Aber es muss uns auch klar sein, dass wir damit nicht wohlhabender werden.”

Und wenn er Lust dazu hat, lässt sich der Schauspieler nun sogar für Werbespots engagieren - zuletzt für die Aachener und Münchener Beteiligungsgesellschaft (ABM).

„Meine Mutter ist dafür verantwortlich, dass ich das erst jetzt tue”, lacht er. Sie hat bei jedem Anruf mit einem solchen Angebot gesagt: „Mein Sohn macht keine Werbung...”

Marios Protest: „Dein verehrter Gustav Knuth macht das auch” quittierte sie damals mit: „Der ist ja auch 70, ab 70 darf man das.” Und weil Adorf stets ein braver Sohn war, hat er sich an das magische Datum gehalten - in diesem September wird er 74 Jahre alt...