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Aachen: „Maria Stuarda“ feiert am 10. Juni Premiere im Theater Aachen

Aachen : „Maria Stuarda“ feiert am 10. Juni Premiere im Theater Aachen

Wenn bei der Mezzosopranistin Julia Mintzer die Locken fliegen, leuchtet im Braun auch ein rötlicher Ton, man denkt sofort an die Rolle, die sie singen und spielen wird — „Elisabetta, Königin von England“ — das historische Vorbild war berühmt für diese Haarfarbe.

Ihre königliche Cousine ist zugleich Titelgeberin des Werkes von Gaetano Donizetti: „Maria Stuarda“, bei der Aachener Inszenierung von Ludger Engels — bis 2013 Chefregisseur in Aachen — steht ihr die Sopranistin Irina Popova gegenüber. Beide sind sie erfahren in einem besonderen Gesangsstil, der Können und Gestaltungskraft verlangt: Belcanto, die Kunst der Primadonnen und heute noch Königsklasse im Gesang.

„Donizetti hat eine ganze Reihe von Belcanto-Opern komponiert, etwa ,Lucia di Lammermoor‘ oder ,Don Pasquale‘“, betont Engels. „Maria Stuarda“ nach Friedrich Schillers Schauspiel „Maria Stuart“ kam 1835 in Mailand auf die Bühne, nach „Anna Bolena“ die zweite Komposition zu einem Tudor-Stoff. „Es ist so spannend, wie hier das Persönliche und das Politische aufeinander treffen“, sagt Irina Popova.

Nicht nur schöne Stimmen

Der Belcanto-Gesang erlaubt den Akteuren dabei, den Arien eine persönliche Interpretation zu geben, Tiefen und Verzierungen. Für Dirigent Karl Shymanowitz und das Sinfonieorchester eine Herausforderung. Sie müssen gut aufpassen, denn in der Partitur steht nicht, wann eine Modulation endet, die die Sängerin in diesem Moment erfindet.

„Sehr spannend, die Verzierungen sagen viel über die Psychologie der Figur aus“, lächelt Julia Mintzer. „Das muss man beherrschen.“ Die beiden Sängerinnen schauen sich lachend an — zwei Königinnen eben, die ein Ziel haben: „Man wird erleben, wohin uns Text und Musik führen.“ Bei der konzertanten halbszenischen Aufführung im Theater Aachen kommt es nicht nur auf schöne Stimmen an — Ausstrahlung ist gefragt, Mimik, feinste Gestik, all das bietet den Raum für ein Psychodrama, das keine Möblierung braucht.

„Ich möchte zeigen, was sich in diesen Menschen abspielt“, betont Engels. „Und konzertant bedeutet nicht, dass Ensemble oder Regisseur weniger Arbeit haben.“ Entdecken kann man zudem Elemente, die für die damalige Entwicklung der Oper nicht unbedeutend waren. „Verdi und Puccini haben sich kräftig bei Donizetti bedient“, meint Irina Popova. „Das zeigt, dass Donizettis Kompositionen zukunftsweisend waren.“

Vordergründig geht es um den Konflikt zweier Herrscherinnen: Die schottische Königin erhebt Anspruch auf den englischen Königsthron. Doch gleichzeitig glühen tiefe Gefühle — Eifersucht, Leidenschaft, Liebessehnsucht, Reue, Begehren. „Im Gesang ist beides zu hören, da gibt es feine Facetten und Brüche“, sagt Engels. „Frau“ und „Herrscherin“ — beides fließt ineinander. „Ich denke sehr viel über Maria nach, sie war wirklich überzeugt davon, dass sie einen Thronanspruch hat“, meint Irina Popova.

Und auch Julia Mintzer ist mit ihrer „Elisabetta“ verbunden: „Während Maria Liebe und Leidenschaft erlebte, sich Freiheiten genommen hat, selbst wenn alles schief ging und sogar ein Mord geschah, hatte Elisabeth doch gar nichts, außer ihren Pflichten und eine große Einsamkeit“, sagt sie. „Ihre Eifersucht ist durchaus begründet.“ Für Engels steht jedenfalls der „analytische Blick“ im Vordergrund, der „Zoom“ auf die beiden, auf das Drama über Liebe und Macht.