Marcus Bosch inszeniert „Die Fledermaus“ in Köln

Köln : „Die Fledermaus“ in Köln: Musikalisch hervorragend, szenisch platt

So richtig in Schwung kommen will die neue Saison der Kölner Oper auch im dritten Anlauf nicht. Nach den zwiespältigen Inszenierungen des „Tannhäuser“ und der „Traviata“ kann auch „Die Fledermaus“ von Johann Strauss Sohn nur in Details überzeugen.

Zu den Lichtblicken gehört die musikalische Leitung durch den ehemaligen Aachener Generalmusikdirektor und scheidenden Nürnberger GMD Marcus Bosch, der mit dem Gürzenich-Orchester für jenes feine, unverwechselbare Kolorit sorgt, das den Reiz der grandiosen Musik des Walzer-Königs bestimmt. Was Feeling, angemessene Tempi und präzis dosierte Dynamik angehen, trifft Bosch stets den richtigen Ton.

Er rettet „Die Fledermaus“ in Köln wenigstens musikalisch: Marcus Bosch. Foto: Andreas Steindl

Allerdings findet die hellhörige, sensible Werkdeutung des Dirigenten auf der Bühne nur wenig Widerhall. Allenfalls durch einige Sängerleistungen und die feinsinnigen Kommentare von Jochen Busse, der als „Frosch“ bestes Kabarett bietet und auf altvordere Kalauer verzichtet.

Damit korrigieren sowohl Busse als auch Bosch den überdrehten, teilweise peinlich plakativen Zungenschlag der Inszenierung durch Petra Luisa Meyer, die in dem filigranen Stück offenbar nur eine Spielwiese für Klamauk der plattesten Art sieht. Der Ball beim Prinzen Orlofsky als ordinärer „Tuntenball“, dilettantische Übertreibungen im Versprühen gut gemeinter, aber schlecht gespielter Festtagslaune, Klischees aus der Mottenkiste verblichener Knallchargen in Hülle und Fülle.

Triviale Gag-Parade

Marcus Bosch greift nicht wesentlich zu hoch, wenn er die „Fledermaus“ als kleine Schwester von Mozarts „Figaro“ verstanden wissen will. Ebenfalls eine hintergründig böse Komödie, ebenfalls mit feinen emotionalen Erschütterungen und Nuancen durchsetzt, was eine entsprechende Behandlung erfordert. Bosch hat das verstanden, Petra Luisa Meyer nicht.

Gesanglich stand es in der B-Premiere nicht durchweg zum Besten. Natalie Karl als Rosalinde war durch eine Erkältung hörbar geschwächt, Annika Gerhards spielte die Adele nicht weniger agil als ihre Kollegin Claudia Rohrbach in der Alternativbesetzung, agierte allerdings stimmlich nicht ganz so mühelos. Dem Bariton von Miljenko Turk fehlt es für den Gabriel von Eisenstein an Durchsetzungskraft, Wolfgang Stefan Schwaiger singt den Dr. Falke kultiviert, bleibt aber darstellerisch blass. Mit vokalen Glanzlichtern kann Mirko Roschkowski als Alfred aufwarten und auch Oliver Zwarg bleibt der Rolle des Gefängnisdirektors Frank nichts schuldig. Ein Abend, den vor allem Marcus Bosch und Jochen Busse retten. Das Publikum reagierte teils reserviert auf die szenischen Plattitüden, teils amüsiert.